Elon Musk für irreführende Twitter-Investorenaussagen haftbar gemacht: Was das Urteil wirklich bedeutet
Eine Jury hat Elon Musk soeben ein 2,6 Milliarden Dollar Problem eingebrockt
Eine Jury in San Francisco hat Elon Musk für die Irreführung von Twitter-Investoren während seiner chaotischen Übernahme der Plattform im Jahr 2022 für haftbar erklärt und Schadensersatz in Höhe von rund 2,6 Milliarden Dollar zugesprochen. Es ist Berichten zufolge das erste Jury-Urteil, das Musk persönlich für seine Twitter-Aussagen haftbar macht. Auch wenn dies sein geschätztes Vermögen von 814 Milliarden Dollar kaum schmälert, ist die symbolische Tragweite beträchtlich.
Die neunköpfige Jury beriet fast vier Tage lang, bevor sie am 20. März 2026 ihr Urteil fällte und damit einen Prozess beendete, der am 2. März begonnen hatte. Der Fall Pampena gegen Musk wurde ursprünglich im Oktober 2022 eingereicht, kurz bevor Musk seinen 44 Milliarden Dollar Kauf von Twitter zu einem Preis von 54,20 Dollar pro Aktie abschloss.
Die Tweets, die den Schaden verursachten
Im Zentrum des Falls standen zwei spezifische Tweets aus dem Mai 2022. Am 13. Mai erklärte Musk, der Twitter-Deal sei vorübergehend auf Eis gelegt, und am 17. Mai deutete er an, dass bis zu 20 Prozent der Twitter-Nutzer Bots sein könnten. Zum Vergleich: Twitters eigene SEC-Einreichungen behaupteten damals, dass etwa 5 Prozent der täglichen Nutzer Spam-Konten seien. Musk ging an anderer Stelle noch weiter und behauptete, dass bis zu 90 Prozent der Kommentare unter seinen Beiträgen Spam seien.
Die Jury stimmte einstimmig zu, dass beide Tweets materiell falsch oder irreführend waren. Die Folgen waren unmittelbar: Der Aktienkurs von Twitter fiel zwischen den beiden Beiträgen um fast 18 Prozent auf unter 33 Dollar pro Aktie, was etwa 40 Prozent unter dem späteren Kaufpreis lag.
Interessanterweise sprach die Jury Musk von einem umfassenderen Vorwurf eines Komplotts frei und stellte fest, dass er keinen koordinierten Plan zur Irreführung von Investoren verfolgt habe. Eine Aussage, die Musk in einem Podcast machte, wurde ebenfalls eher als Meinung denn als irreführende Tatsache eingestuft. Es war also keine totale Niederlage für sein Anwaltsteam, aber die Kernfeststellung schmerzt dennoch.
Aufschlüsselung des Schadensersatzes
Die Jury sprach einen Schadensersatz zwischen 3 und 8 Dollar pro Aktie und Tag zu, was sich wie folgt aufschlüsselt:
- 2,1 Milliarden Dollar an aktienbezogenem Schadensersatz
- 500 Millionen Dollar an zusätzlichem Schadensersatz für Aktienoptionen
- Bis zu 2,6 Milliarden Dollar an maximalem Gesamtschaden
Die Verteilung an die betroffenen Kläger wird voraussichtlich etwa sechs Monate in Anspruch nehmen. Zur Einordnung: 2,6 Milliarden Dollar gegenüber einem Vermögen von 814 Milliarden Dollar entsprechen etwa 0,3 Prozent. Musks Verteidigungsteam von Quinn Emanuel hat bereits signalisiert, dass sie Berufung einlegen wollen und das Urteil als kleinen Stolperstein bezeichnen. Mit den finanziellen Auswirkungen könnten sie recht behalten, doch der rechtliche Präzedenzfall ist eine völlig andere Sache.
Warum dies über den Gerichtssaal hinaus von Bedeutung ist
Der Anwalt der Kläger, Mark Molumphy, drückte es unverblümt aus: Das Urteil der Jury sendet eine starke Botschaft, dass man sich auch als reiche und mächtige Person an das Gesetz halten muss. Ob man das überzeugend findet, hängt vom persönlichen Vertrauen in die Fähigkeit von Zivilklagen ab, Milliardäre in die Schranken zu weisen. Dennoch ist es bemerkenswert, dass eine Jury aus normalen Bürgern die Beweise sichtete und zu dem Schluss kam, dass Musk eine Grenze überschritten hat.
Der ehemalige Twitter-CEO Parag Agrawal und Finanzchef Ned Segal sagten beide während des dreiwöchigen Prozesses aus und lieferten interessante Einblicke aus Unternehmensperspektive.
Es ist erwähnenswert, dass Musk bereits früher in einer solchen Lage war. Im Jahr 2018 sah er sich einem Wertpapierprozess wegen seines berüchtigten Tweets über den 420-Dollar-Tesla-Aufkauf gegenüber, bei dem ihn eine Jury freigesprochen hat. Diesmal war das Ergebnis jedoch anders.
Die Perspektive aus dem Vereinigten Königreich
Für Leser auf dieser Seite des Atlantiks ist es wichtig zu beachten, dass es sich um einen US-amerikanischen zivilrechtlichen Fall handelt, nicht um eine Strafsache. Niemand muss ins Gefängnis. Die praktischen Auswirkungen auf Musks Geschäftstätigkeit oder sein Eigentum an dem heutigen X dürften minimal sein, insbesondere wenn eine Berufung erfolgreich ist.
Dennoch wirft das Urteil eine berechtigte Frage zur Rechenschaftspflicht für marktbewegende Aussagen in sozialen Medien auf. Wenn jemand mit Musks Reichweite etwas Irreführendes über einen Deal im Wert von 44 Milliarden Dollar twittert, treffen die Wellenschläge Pensionsfonds, Kleinanleger und normale Menschen, deren Ersparnisse am Markt hängen. Die Jury war offensichtlich der Ansicht, dass dies Konsequenzen rechtfertigt, auch wenn diese Konsequenzen für den reichsten Menschen der Welt nur Kleingeld sind.
Lesen Sie den Originalartikel unter Quelle.

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