Wir bringen Kindern bei, sicher die Straße zu überqueren – warum nicht auch das Internet?

Wir bringen Kindern bei, sicher die Straße zu überqueren – warum nicht auch das Internet?

Wir trichtern es Kindern ein, sobald sie laufen können: nach beiden Seiten schauen, an der Hand halten im Straßenverkehr, nie mit Fremden sprechen. Doch wenn es um die digitale Welt geht, lassen erschreckend viele Eltern ihre Kinder quasi blindfolded auf eine sechsspurige Autobahn laufen.

Die Zahlen sind wirklich alarmierend

Eine Umfrage des Information Commissioner's Office (ICO) unter 1.000 britischen Eltern von Kindern im Alter von vier bis elf Jahren im Februar 2026 hat deutlich gezeigt, wie groß die Lücke zwischen Online-Risiko und Online-Reife ist. Ganze 75 % der Eltern befürchten, dass ihr Kind keine sicheren Entscheidungen über persönliche Daten im Internet treffen kann. Das muss man sich vergegenwärtigen: Drei Viertel von uns haben das Gefühl, unsere Kinder geben dort draußen munter den digitalen Hausschlüssel weiter.

Und sie liegen nicht falsch damit. Laut den Ergebnissen haben 24 % der Grundschulkinder bereits ihren echten Namen oder ihre Adresse online geteilt. 22 % haben persönliche Informationen, darunter Gesundheitsdaten, in KI-Tools eingegeben. Besonders aufschlussreich: 35 % der Eltern glauben, ihr Kind würde persönliche Daten bereitwillig gegen Spielmünzen oder In-App-Belohnungen eintauschen. Die eigene Adresse für ein paar virtuelle Münzen? Ein schlechter Deal – aber das einem Achtjährigen zu erklären ist eine andere Sache.

Die Lücke im Gespräch

Hier wird es richtig unangenehm. Während 90 % der Eltern angaben, im vergangenen Monat mit ihren Kindern über Bildschirmzeit gesprochen zu haben, führt nur ein Bruchteil das eigentlich wichtigere Gespräch darüber, was ihre Kinder auf diesen Bildschirmen tatsächlich tun. Ein Fünftel der Eltern (21 %) hat mit seinen Kindern noch nie über Online-Datenschutz gesprochen. Kein einziges Mal. Und 38 % sprechen das Thema seltener als einmal im Monat an.

Wir sind offenbar brillant darin, Kindern zu sagen, sie sollen das iPad weglegen, aber erschreckend schlecht darin, ihnen beizubringen, wie sie es sicher benutzen, während es in ihren Händen ist. Das ist ein bisschen so, als würde man sich darüber aufregen, wie lange das Kind im Auto sitzt, aber nie den Sicherheitsgurt erwähnen.

Die ICO-Kampagne "Switched on to Privacy"

Die Reaktion der ICO ist eine neue Kampagne namens Switched on to Privacy, die auf einem einfachen Rahmen aufbaut: Chat, Choose, Check (Reden, Wählen, Prüfen). Die Idee ist, Eltern einen praktischen, jargonfreien Ansatz für das Thema Datenschutz mit kleinen Kindern zu geben, ähnlich wie wir Verkehrssicherheit oder den Umgang mit Fremden beibringen.

Emily Keaney, stellvertretende Kommissarin der ICO, brachte es treffend auf den Punkt: Wir würden nicht erwarten, dass unsere Kinder Geburtstage oder Adressen mit Fremden in Geschäften teilen, weil wir ihnen von klein auf erklären, warum Fremde gefährlich sein können. Dieselbe Logik, so ihr Argument, sollte auch online gelten.

Das ist ein fairer Punkt. Die digitale Welt ist kein abstrakter Raum, der getrennt vom echten Leben existiert. Die Daten, die Kinder heute teilen, begleiten sie noch jahrelang. Tatsächlich sorgen sich 71 % der Eltern in der Umfrage darum, dass heute geteilte Informationen die Zukunft ihres Kindes beeinflussen könnten. Zu Recht.

Breiterer regulatorischer Druck

Diese Kampagne entsteht nicht im luftleeren Raum. Der britische Regulierungsapparat erhöht den Druck auf breiter Front. Im März 2026 schrieben die ICO und Ofcom gemeinsam an große Technologieplattformen, darunter Meta, TikTok, Snapchat, YouTube und X, und forderten bis zum 30. April 2026 strengere Maßnahmen zur Altersverifikation. Die Regierung hat außerdem eine Konsultation mit dem Titel Growing up in the online world gestartet, die bis zum 26. Mai 2026 läuft und ein gesetzliches Mindestalter für soziale Medien sowie eine mögliche Anhebung des digitalen Einwilligungsalters untersucht.

Und die Strafverfolgung ist kein leeres Versprechen. Die ICO hat Reddit kürzlich mit 14,47 Millionen Pfund und MediaLab (das Unternehmen hinter Imgur) mit 247.590 Pfund wegen Versäumnissen beim Schutz von Kinderdaten bestraft. Wie Dame Rachel de Souza, die Kinderbeauftragte Englands, unmissverständlich erklärte: Technologieunternehmen müssen für das Stellen von Profit vor Schutz zur Rechenschaft gezogen werden.

Was Eltern konkret tun können

Die gute Nachricht ist, dass man dafür keinen Abschluss in Cybersicherheit braucht. Das ICO-Rahmenwerk lässt sich auf drei Schritte herunterbrechen:

  • Reden Sie regelmäßig mit Ihren Kindern darüber, was sie online teilen und warum das wichtig ist
  • Wählen Sie Datenschutzeinstellungen gemeinsam, damit Kinder die getroffenen Entscheidungen verstehen
  • Prüfen Sie Apps, Spiele und Plattformen daraufhin, wie sie mit den Daten Ihres Kindes umgehen

Da 88 % der Eltern in der Umfrage zustimmen, dass Kinder zwischen vier und elf Jahren mit dem Erlernen von Online-Datenschutz beginnen sollten, ist das Interesse eindeutig vorhanden. Was fehlt, ist das Vertrauen: 46 % der Eltern gaben an, sich nicht sicher zu fühlen, den Datenschutz ihrer Kinder online gewährleisten zu können, und 44 % sagten, sie versuchen es, sind aber nicht sicher, ob es ausreicht.

Die Botschaft der ICO ist klar: Fangen Sie früh mit dem Gespräch an, führen Sie es weiter, und nehmen Sie Datenschutz genauso ernst wie das sichere Überqueren einer Straße. Der digitale Fußabdruck Ihrer Kinder entsteht lange bevor sie alt genug sind, um zu verstehen, was das bedeutet.

Den Originalartikel lesen Sie bei der Quelle.

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Written by

Daniel Benson

Writer, editor, and the entire staff of SignalDaily. Spent years in tech before deciding the news needed fewer press releases and more straight talk. Covers AI, technology, sport and world events — always with context, sometimes with sarcasm. No ads, no paywalls, no patience for clickbait. Based in the UK.