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Wenn dein Stürmerstar spurlos verschwindet: Tony Pulis und die Ricardo-Fuller-Saga

Tony Pulis erzählt, wie Ricardo Fuller nach einem Länderspiel mit Jamaika untertauchte und dann mit einem legendären Sololauf-Tor beim 4:2-Sieg gegen Wolves zur Stoke-Legende wurde.

Wenn dein Stürmerstar spurlos verschwindet: Tony Pulis und die Ricardo-Fuller-Saga

Länderspielpausen: Der Albtraum eines jeden Vereinstrainers

Länderspielpausen sind der Fluch jedes Vereinstrainers. Wochenlang feilst du an Taktiken, baust Schwung auf, bringst dein Team in Bestform, und dann kommt die FIFA und verstreut deine Spieler über den ganzen Globus. Die meisten kommen heil zurück. Manche kommen verletzt zurück. Und ab und zu kommt einer gar nicht zurück.

Tony Pulis kennt diese besondere Art des Chaos besser als die meisten. Der frühere Trainer von Stoke City, Crystal Palace und West Brom hat die Geschichte erzählt, wie Ricardo Fuller vor einem der wichtigsten Spiele in Stokes Aufstiegssaison 2007/08 einfach verschwand. Eine Geschichte, die irgendwie Jamaika, Visaprobleme am Zoll in Miami und eines der spektakulärsten Tore umfasst, die man je gesehen hat.

Die Ausgangslage: Eine Saison auf dem Spiel

Es war Februar 2008, und Stoke City steckte mitten im Aufstiegskampf der Championship. Fuller, der jamaikanische Nationalspieler, der in jener Saison 15 Tore erzielen sollte, war für die Nationalmannschaft abgestellt worden. Nichts Ungewöhnliches. Das Problem? Berichten zufolge geriet er auf dem Rückflug über Miami in Visa-Schwierigkeiten und schaffte es nicht rechtzeitig nach Hause.

Pulis war verständlicherweise fuchsteufelswild. Das bevorstehende Spiel war das Auswärtsspiel bei Wolves im Molineux am 9. Februar, ein ausverkauftes Kräftemessen mit 25.373 Zuschauern, bei dem beide Seiten um ihre Zukunft im Oberhaus kämpften. Mick McCarthys Wolves brauchten dringend Punkte, und Pulis brauchte jede Waffe in seinem Arsenal verfügbar und einsatzbereit.

Fuller war weder das eine noch das andere.

Das Risiko, das sich spektakulär auszahlte

Als Fuller endlich auftauchte, hätte Pulis ihn vollkommen berechtigt aus dem Kader gestrichen. Der Trainer war wütend, und einen Spieler, der die Mannschaft im Stich gelassen hatte, als Beispiel hinzustellen, wäre der klassische Zug gewesen. Aber Fussball hat selten etwas mit Lehrbüchern zu tun.

Dave Kemp, Pulis' Assistent, überredete den Chef, Fuller zumindest auf die Bank zu setzen. Die Logik war einfach: Dieses Spiel war zu wichtig, um den Stolz in den Vordergrund zu stellen. Pulis hörte zu, was ihm hoch anzurechnen ist.

Tony Pulis erzählt die Ricardo-Fuller-Jamaika-Geschichte (BBC Radio 5 Live) - Pulis schildert die Fuller-AWOL-Geschichte auf BBC Radio 5 Live, eingebettet in den OneFootball-Artikel zu diesem Vorfall. Direkt relevante Primärquelle der Anekdote.

Das Spiel selbst war pures Chaos. Rory Delap brachte Stoke in der vierten Minute früh in Führung, doch Wolves schlugen kurz vor der Halbzeit durch Edwards zurück. Zwei Minuten nach Wiederanpfiff brachte Keogh Wolves in Führung. Liam Lawrence glich fast unmittelbar zum 2:2 aus, dann brachte Leon Cort Stoke in der 74. Minute mit 3:2 in Front.

Als das Spiel tief in der Nachspielzeit war, stand Fuller auf dem Platz. Und was dann passierte, wurde zur Legende des Stoke City.

Dieses Tor

In der 94. Minute nahm Fuller den Ball an und startete einen Sololauf, der die Wolves-Verteidiger alt aussehen liess. Er versenkte ihn zum 4:2 und besiegelte den Sieg auf dramatischste Weise. Das Tor wurde später zum Tor der Saison von Stoke gewählt, und wer sich die Aufnahmen anschaut, versteht sofort warum.

Ricardo Fullers Sololauf-Tor gegen Wolves 2008 - Aufnahmen von Fullers Sololauf-Tor gegen Wolves im Molineux am 9. Februar 2008, dem Spiel im Mittelpunkt dieses Artikels. Ebenfalls eingebettet in die OneFootball-Berichterstattung zur Geschichte.

Das grosse Bild

Stoke schloss die Saison als Zweiter ab und stieg in die Premier League auf, womit eine schmerzhafte 23-jährige Abwesenheit aus dem Oberhaus endete. Fuller, der zwischen 2006 und 2012 in 208 Einsätzen für den Klub 50 Tore erzielte, bestritt ausserdem 76 Länderspiele für Jamaika und erzielte dabei 10 Tore. Er schoss sogar Stokes allererstes Premier-League-Tor in der darauffolgenden Saison. Nicht schlecht für jemanden, der sich beinahe selbst aus dem Team geschossen hatte, weil er den Teambus verpasste.

Pulis' Geschichte ist eine grossartige Erinnerung daran, dass es beim Trainerberuf nicht immer nur um Regeln und Disziplin geht. Manchmal geht es darum, zu wissen, wann man seinen Ärger herunterschluckt, dem eigenen Stab vertraut und das Talent für sich sprechen lässt. Fuller hatte sich falsch verhalten, keine Frage. Ihn aber komplett auf die Tribüne zu setzen, hätte Stoke ein Ergebnis kosten können, das ihre gesamte Saison mitgeprägt hat.

Es ist genau die Art von Anekdote, die einem die menschliche Seite des Fussballmanagements näherbringt: die Entscheidungen, die nie auf dem Taktikboard auftauchen, aber die Geschichte eines Klubs formen können.

Den Originalartikel gibt es hier: Quelle.

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Written by

Daniel Benson

Writer, editor, and the entire staff of SignalDaily. Spent years in tech before deciding the news needed fewer press releases and more straight talk. Covers AI, technology, sport and world events — always with context, sometimes with sarcasm. No ads, no paywalls, no patience for clickbait. Based in the UK.