Senegal präsentiert den AFCON-Pokal in Paris trotz Aberkennung des Titels
Senegal präsentierte den AFCON-Pokal in Paris trotz CAF-Aberkennung zugunsten Marokkos. Alles wartet nun auf das Urteil des Court of Arbitration for Sport.
Trotz in der Stadt des Lichts
Wer glaubte, Fussballdrama spiele sich nur auf dem Platz ab, dem hat Senegal etwas zu sagen. Am Samstagabend im Stade de France trugen Kapitän Kalidou Koulibaly und Torhüter Edouard Mendy den Afrika-Cup-Pokal vor dem Freundschaftsspiel gegen Peru zu einer vollständigen Ehrenrunde auf den Rasen. Der Haken daran? CAF hatte ihnen den Titel offiziell elf Tage zuvor aberkannt. Das kann man sich schlicht nicht ausdenken.
Wie es dazu kam
Zurück zum Anfang. Am 18. Januar 2026 traf Senegal im AFCON-Finale auf Gastgeber Marokko. Tief in der Nachspielzeit, beim Stand von 0:0, zeigte Schiedsrichter Jean-Jacques Ndala auf den Elfmeterpunkt nach einem Foul an Brahim Diaz. Senegals Spieler waren wütend und verliessen das Spielfeld aus Protest, was zu einer Verzögerung von rund 14 Minuten führte.
Und hier wird es interessant. Sadio Mane soll seine Mitspieler zurück aufs Feld gerufen haben mit den Worten: "Wir spielen wie Männer!" Sie kehrten zurück, Marokko verschoss den Elfmeter, und Pape Gueye hämmerte den Siegtreffer in der 94. Minute der Verlängerung ins Netz. Senegal 1, Marokko 0. Jubel brach aus. Erledigt. So dachte jedenfalls alle Welt.
Der Paukenschlag im Sitzungssaal
Marokkos Verband war nicht bereit, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Sie legten Berufung ein, und am 17. März 2026 liess das CAF-Berufungsgremium eine Bombe platzen: Senegal habe das Spiel verwirkt. Unter Berufung auf Artikel 82 der AFCON-Regularien, der das unerlaubte Verlassen des Spielfelds ohne Genehmigung des Schiedsrichters regelt, hob CAF das Ergebnis auf und sprach Marokko einen 3:0-Defaultsieg zu.
Von einem Moment auf den anderen wurde der Pokal, den Senegal auf dem Platz gewonnen hatte, in einem Komiteezimmer weggenommen. Senegals Verbandspräsident Abdoulaye Fall bezeichnete es als "den himmelschreiend ungerechtesten administrativen Raub" in der Fussballgeschichte. Starke Worte, aber der Frust ist verständlich.
Senegals Gegenschlag
Senegal zögerte nicht und legte beim Court of Arbitration for Sport (CAS) Berufung ein, wobei ein Rechtsteam aus der Schweiz, Spanien, Frankreich und Senegal zusammengestellt wurde. Berichten zufolge wird auch untersucht, ob Mitglieder des CAF-Berufungsgremiums möglicherweise kompromittiert wurden. Der CAS hat die Berufung bestätigt und eine möglichst schnelle Entscheidung zugesagt, obwohl ein endgültiges Urteil noch Monate dauern könnte.
In der Zwischenzeit macht Senegal seinen Standpunkt glasklar. Der Pokal, der Berichten zufolge vor der Reise in einem Militärstützpunkt in Senegal aufbewahrt wurde, wurde vor Tausenden von Anhängern in Paris präsentiert. Ein Vorkonzert der senegalesischen Legende Youssou N'Dour stimmte die Menge ein, bevor Koulibaly und Mendy den Pokal in die Präsidentenloge platzierten. Marokkos Rechtsteam hatte den Stadionbetreibern sogar formelle Hinweise geschickt und vor der Pokalpräsentation gewarnt, doch Paris zeigte sich offenkundig nicht gewillt, sich daran zu halten.
Senegal trat ausserdem in einem Trikot mit einem zweiten Stern an, der zwei AFCON-Titel symbolisiert. Zurückhaltend war das nicht.
Was kommt als Nächstes?
Das Freundschaftsspiel gegen Peru am Samstag war Senegals erster Auftritt seit dem chaotischen Januarfinale, und das grosse Bild wirft bereits seinen Schatten voraus. Die FIFA-Weltmeisterschaft 2026 beginnt im Juni, wobei Senegal in Gruppe I mit Frankreich, Norwegen und dem Sieger eines interkontinentalen Playoffs zwischen Bolivien und Irak gelost wurde. Ihr Auftaktspiel gegen Frankreich ist für den 16. Juni angesetzt.
Ob Senegal als amtierender afrikanischer Meister in dieses Turnier einzieht, hängt ganz vom CAS ab. Ihr Rechtsteam hofft auf ein beschleunigtes Urteil innerhalb von zwei Monaten, doch in der Fussballbürokratie bewegt sich bekanntlich nichts schnell.
Das Fazit
Unabhängig von der eigenen Meinung zum Spielfeldabgang schafft die Aufhebung eines auf dem Platz erzielten Ergebnisses auf dem Verwaltungsweg einen unbehaglichen Präzedenzfall. Senegal hat das Spiel gewonnen. Sie haben das Tor geschossen, sie haben den Pokal gehoben, und sie haben offensichtlich nicht die Absicht, ihn kampflos herzugeben. Bis der CAS gesprochen hat, ist diese Saga noch lange nicht vorbei, und der afrikanische Fussball befindet sich in einem ausserordentlichen Schwebezustand.
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