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Schultaschen und Trauerflor: Irans Fussballteam sendet eine kraftvolle Botschaft vor dem Freundschaftsspiel gegen Nigeria

Irans Fussballmannschaft trug Trauerflore und Schultaschen vor dem Freundschaftsspiel gegen Nigeria, um der 175 Opfer des Schulangriffs zu gedenken und fragte nach WM-Teilnahme.

Schultaschen und Trauerflor: Irans Fussballteam sendet eine kraftvolle Botschaft vor dem Freundschaftsspiel gegen Nigeria

Ein Protest, der lauter sprach als jeder Schlachtruf

Fussball war schon immer eine Buehne fuer politische Aussagen, aber wenige waren so eindrucksvoll wie das, was sich am Freitagabend in Belek, Tuerkei, abspielte. Waehrend die iranische Nationalhymne vor dem Freundschaftsspiel gegen Nigeria erklang, stand die Maennermannschaft mit schwarzen Trauerfloren da, jeder Spieler hielt eine Kinderschultasche in den Haenden. Keine Banner. Keine Parolen. Nur eine stille, tief bewegende Ehrerbietung fuer die Opfer des Angriffs auf die Shajareh-Tayyebeh-Schule.

Die Geste war unverkennbar. Am 28. Februar 2026 traf eine US-Tomahawk-Rakete das Maedchengymnasium im Iran am Eroeffnungstag der Operation Roaring Lion. Mindestens 175 Menschen kamen ums Leben, die Mehrheit von ihnen Maedchen im Alter zwischen sieben und zwoelf Jahren. US-Milaetaerermittler haben seitdem festgestellt, dass die eigenen Streitkraefte hoechtwahrscheinlich verantwortlich waren, da veralternte Zieldaten die Schule nicht von einer angrenzenden IRGC-Marineanlage unterscheiden konnten, zu der sie einst gehoert hatte.

Irans Team-Medienbeauftragter verwies vor dem Anpfiff auf den Angriff, nannte jedoch bemerkenswerterweise eine Zahl von "165 Maedchen" als Todesopfer. Die tatsaechliche Opferzahl, die von iranischen Behoerden nach fortgesetzten Bergungsarbeiten nach oben korrigiert wurde, liegt bei 175 und schliesst erwachsene Lehrerinnen und Mitarbeiter sowie Kinder ein.

Auf dem Platz hatte Nigeria das letzte Wort

Wenn der Moment vor dem Spiel von Trauer gepraegt war, bot der Fussball selbst Iran keinen Trost. Nigeria gewann das Spiel mit 2:1, das eigentlich als Aufwaermspiel vor der Weltmeisterschaft 2026 gedacht war. Der ehemalige Stuermer des FC Porto und Inter Mailand, Mehdi Taremi, der inzwischen beim Olympiacos in Griechenland spielt, stand fuer Iran auf dem Platz, konnte die Niederlage jedoch nicht abwenden.

Iran wird am Dienstag im zweiten Freundschaftsspiel in der Tuerkei gegen Costa Rica eine weitere Gelegenheit haben, seinen Rhythmus zu finden. Doch die eigentliche Frage, die ueber dieser Mannschaft schwebt, hat nichts mit ihrer Form zu tun.

Eine Weltmeisterschaft in der Schwebe

Iran hat sich fuer eine vierte aufeinanderfolgende Weltmeisterschaft qualifiziert, eine wirklich beeindruckende Serie, die sich ueber Brasilien 2014, Russland 2018, Katar 2022 und nun das Turnier 2026 erstreckt, das gemeinsam von den Vereinigten Staaten, Mexiko und Kanada ausgetragen wird. Das Problem ist natuerlich der Teil "Vereinigte Staaten" dieser Gleichung.

Nach dem Schulangriff schrieb Donald Trump auf Truth Social, es waere nicht "angemessen", dass Iran an dem Turnier teilnehme, "fuer ihre eigene Sicherheit und ihr Leben". Es lohnt sich, diesen Satz einen Moment lang auf sich wirken zu lassen. Dass der Praesident des Gastgeberlandes oeffentlich vorschlaegt, eine qualifizierte Mannschaft solle aus Sicherheitsgruenden fernbleiben, ist, um es diplomatisch auszudruecken, beispiellos.

Der Praesident des iranischen Fussballverbandes, Mehdi Taj, antwortete darauf mit der Erklaerung, dass Iran fuer keine WM-Spiele in die USA reisen werde. Er forderte die FIFA auf, Irans Gruppenspiele nach Mexiko zu verlegen, doch der Weltverband lehnte diesen Antrag Mitte Maerz ab. Wie es mit Irans Teilnahme weitergeht, ist noch ungeloest, waehrend moegliche FIFA-Sanktionen nun drohen.

Die Frauenmannschaft in einem anderen Sturm

Irans Maenner sind nicht das einzige Nationalteam, das aus Gruenden jenseits des Fussballs Schlagzeilen macht. Beim AFC Women's Asian Cup in Australien verweigerte die Frauenmannschaft vor ihrem Spiel gegen Suedkorea am 2. Maerz das Mitsingen der Nationalhymne. Das iranische Staatsfernsehen bezeichnete die Spielerinnen daraufhin als "Verraeterinnen".

Die Folgen waren erheblich. Mehrere Spielerinnen erhielten von Australien humanitaere Visa. Waehrend die meisten schliesslich in den Iran zurueckkehrten, entschieden sich mindestens zwei Spielerinnen, Fatemeh Pasandideh und Atefeh Ramezanizadeh, in Australien zu bleiben und begannen mit dem Training beim Brisbane Roar.

Fussball als Spiegel

Der UN-Menschenrechtschef hat die USA aufgefordert, ihre Untersuchung des Schulangriffs abzuschliessen. Die UNESCO, Human Rights Watch und Amnesty International haben den Angriff allesamt als moeglichen Verstoss gegen das humanitaere Voelkerrecht eingestuft. Vor diesem Hintergrund wirkt eine Gruppe von Fussballspielern, die auf einem Platz im suedlichen Tuerkei Schultaschen in den Haenden halten, weniger wie eine symbolische Geste und mehr wie eines der wenigen verfuegbaren Mittel zum Ausdruck.

Irans WM-Teilnahme, die Sicherheit seiner Spieler und die weiterreichenden geopolitischen Folgen des Schulangriffs sind Fragen, die auf keinem Fussballplatz geklaert werden koennen. Aber manchmal ist der Platz der einzige Ort, wo die Welt zuschaut.

Den Originalartikel lesen Sie bei der Quelle.

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Written by

Daniel Benson

Writer, editor, and the entire staff of SignalDaily. Spent years in tech before deciding the news needed fewer press releases and more straight talk. Covers AI, technology, sport and world events — always with context, sometimes with sarcasm. No ads, no paywalls, no patience for clickbait. Based in the UK.