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Ruhende Bälle, lebendige Hoffnung: Kann Englands Standard-Obsession wirklich den WM-Titel bringen?

Paul Robinson sieht in Standardsituationen die Geheimwaffe für Englands WM-Kader. Warum Thomas Tuchel auf ruhende Bälle setzt und die Zahlen den Erfolg belegen.

Ruhende Bälle, lebendige Hoffnung: Kann Englands Standard-Obsession wirklich den WM-Titel bringen?

Das schöne Spiel? Ach was, einfach den Eckball reinhauen

Es hat etwas wunderbar Englisches, die eigenen WM-Hoffnungen nicht auf filigranes Tiki-Taka oder verheerende Konter zu setzen, sondern auf die dunkle Kunst der Eckbälle, Freistöße und langen Einwürfe. Doch genau da stehen wir, und der ehemalige englische Nationaltorhüter Paul Robinson glaubt, dass Thomas Tuchels Team 2026 mit Standards bis ganz nach oben stürmen könnte.

Ehrlich gesagt? Er könnte recht haben.

Die Zahlen lügen nicht

Die Premier League ist in dieser Saison regelrecht verrückt nach Standardsituationen. Laut der BBC fielen etwa 230 der 845 Tore der Liga aus ruhenden Bällen (ohne Elfmeter), was etwa 27% entspricht. Das ist ein Anstieg von durchschnittlich 0,6 Standardtoren pro Spiel in der letzten Saison auf 0,8 in dieser Spielzeit, so Sky Sports. Der Trend ist unverkennbar.

Leeds United und Tottenham führen die Liste der Standard-Abhängigkeit an, wobei stolze 35% ihrer Tore aus ruhenden Bällen resultierten. Arsenal ist nicht weit dahinter und erzielt Berichten zufolge etwa ein Drittel seiner Tore nach Standards, während sie ihren Titelkampf vorantreiben.

Und es ist Arsenal, das den größten Kredit für den Anstoß dieser Revolution verdient. Nicolas Jover, der spezielle Standard-Trainer des Vereins, hat Eckbälle und Freistöße in eine echte Angriffswaffe verwandelt. Die Gunners haben in dieser Saison in 29 Spielen 16 Tore nach Eckbällen erzielt und damit den eigenen Premier League Rekord des Vereins eingestellt, obwohl noch neun Spiele ausstehen. Der Rest der Liga hat es bemerkt: 15 der 20 Erstligisten beschäftigen mittlerweile dedizierte Standard-Trainer. Die Geheimwaffe des Fußballs ist kein großes Geheimnis mehr.

Englands Lieferservice

Hier wird es für die Three Lions interessant. Tuchels Kader ist vollgepackt mit Spielern, die in diesen Situationen aufblühen.

Declan Rice war in dieser Saison einer der produktivsten Vorbereiter der Premier League, wobei Berichte nahelegen, dass die Mehrheit seiner Assists aus Standardsituationen stammt. Bukayo Saka bietet eine weitere gefährliche Option von den Außenbahnen. Beide dürften im nächsten Sommer in den Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko fast sicher in der Startelf stehen.

Dann ist da noch Reece James. Der Kapitän von Chelsea bringt, sofern es die Fitness zulässt, punktgenaue Hereingaben von der rechten Seite. Seine Assist-Zahlen in dieser Saison sind stark von ruhenden Bällen geprägt, was ihn zu einer wertvollen Kaderoption macht, auch wenn seine Verletzungshistorie bei jedem für leichte Herzrasen sorgt.

Am Ende der Kette hat Tuchel keinen Mangel an Zielspielern. Dan Burn und Harry Maguire bieten die Art von Kopfballstärke, die Verteidiger bei Eckbällen extrem unwohl fühlen lässt. Harry Kane und Dominic Calvert-Lewin sind in der Luft echte Torgefahren. Es ist eine schlagkräftige Kombination.

Tuchel ist bereits überzeugt

Das ist auch kein bloßes Gerede von Experten. Tuchel selbst hat öffentlich erklärt, dass er möchte, dass England lange Einwürfe, direkte Hereingaben und Standard-Routinen als festen Bestandteil ihrer WM-Strategie nutzt. Der Mann ist durch und durch pragmatisch. Wenn der Ball in den Strafraum geschlagen werden muss, um Fußballspiele zu gewinnen, dann wird er ihn den ganzen Tag lang dort hineinschlagen.

Da England in der Gruppe L zusammen mit Kroatien, Ghana und Panama gelost wurde, wird es vor den K.o.-Runden genug Gelegenheiten geben, diese Abläufe zu verfeinern. Und im Turnierfußball, wo enge Spiele und vorsichtige Abwehrreihen die Norm sind, kann ein gut einstudierter Standard mehr wert sein als alle Ballbesitzstatistiken der Welt.

Das Fazit

Werden Standards allein England zum WM-Titel führen? Natürlich nicht. Man braucht immer noch ein funktionierendes Mittelfeld, eine solide Abwehr und ein bisschen Glück. Aber als Vorteil, als ein echter X-Faktor, der einen von ähnlich talentierten Mannschaften abhebt? Robinson hat absolut recht. Englands Qualität bei ruhenden Bällen könnte den Unterschied zwischen einem weiteren glorreichen Scheitern und dem Ende der schmerzhaften Durststrecke seit 1966 ausmachen.

Manchmal gewinnt man das schöne Spiel, indem man die hässlichen Dinge brillant ausführt.

Lesen Sie den Originalartikel unter Quelle.

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Written by

Daniel Benson

Writer, editor, and the entire staff of SignalDaily. Spent years in tech before deciding the news needed fewer press releases and more straight talk. Covers AI, technology, sport and world events — always with context, sometimes with sarcasm. No ads, no paywalls, no patience for clickbait. Based in the UK.