Rachel Reeves zieht eine klare Grenze: Nicht jeder bekommt Hilfe bei den Energierechnungen
Der schwierige Balanceakt der Kanzlerin
Rachel Reeves steht kurz davor, etwas zu tun, was kein Politiker gerne macht: Millionen von Menschen zu sagen, dass sie keine Unterstützung erhalten werden. Die Schatzkanzlerin will die Kriterien darlegen, wer angesichts der anhaltenden Auswirkungen des Iran-Krieges auf die globalen Energiemärkte Anspruch auf Hilfe bei den Energierechnungen hat und wer nicht.
Das ist, gelinde gesagt, eine schwierige Botschaft. Die Energierechnungen steigen, die Gemüter erhitzen sich, und der Druck, einfach jedem Haushalt in Grossbritannien Geld zuzuwerfen, muss enorm sein. Aber Reeves scheint entschlossen, dieser Versuchung zu widerstehen, und argumentiert, dass universelle Unterstützung weder fair noch erschwinglich wäre.
Warum nicht einfach allen helfen?
Wir waren schon einmal in dieser Situation. Als Liz Truss 2022 auf Russlands Einmarsch in die Ukraine reagierte, rollte ihre Regierung ein universelles Energierettungspaket aus, das über sechs Monate hinweg rund 35 Milliarden Pfund kostete. Es war grosszügig, unbestreitbar populär und finanziell leichtsinnig. Reeves hat nicht die Absicht, dieses Experiment zu wiederholen.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Die Staatsverschuldung ist von 79 % des BIP im Jahr 2018/19 auf beunruhigende 94,8 % im Jahr 2026/27 angestiegen. Die Zinszahlungen auf die Staatsschulden verschlingen nun ungefähr jeden zehnten Pfund der Staatsausgaben, mit prognostizierten fast 110 Milliarden Pfund. Wenn man bereits so viel nur für den Schuldendienst zahlt, beginnt das Ausstellen von Blankoschecks an jeden Haushalt weniger nach Mitgefühl und mehr nach finanziellem Selbstschaden auszusehen.
Was passiert gerade mit den Energiepreisen?
Die aktuelle Energiepreisobergrenze gilt noch bis Ende Juni 2026 und bietet vorerst einen gewissen Schutz. Aber ab Juli schätzen Analysten, dass die typischen Haushaltsrechnungen auf rund 1.973 Pfund pro Jahr steigen könnten, gegenüber zuvor 1.641 Pfund. Das ist ein Anstieg von rund 332 Pfund, was niemandes Vorstellung einer angenehmen Überraschung entspricht.
Die Senkung der Haushaltsrechnungen um 150 Pfund ab April 2026, die durch die Abschaffung der Grünabgaben im Haushaltsplan des letzten Herbstes erreicht wurde, federt den Schlag leicht ab. Aber da die Ölpreise aufgrund des Iran-Konflikts die Marke von 100 Dollar pro Barrel überschritten haben (mit einem Höchststand von 114 Dollar, bevor sie sich bei rund 101 Dollar einpendelten), zeigt die Gesamtentwicklung klar nach oben.
Besonders anfällig sind die 1,5 Millionen britischen Haushalte, die auf Heizöl angewiesen sind, das vollständig ausserhalb der Energiepreisobergrenze liegt. Der Preis pro Liter hat sich seit Beginn der Iran-Krise verdoppelt. Keir Starmer hat ein Unterstützungspaket von 53 Millionen Pfund speziell für diese Haushalte angekündigt, ob das jedoch ausreicht, bleibt abzuwarten.
Der dreigliedrige Ansatz
Reeves' Parlamentserklärung, die auf ein Notfalltreffen des COBR am 23. März folgte, umfasst drei Kernbereiche:
- Ein wirtschaftliches Update zu den finanziellen Auswirkungen des Krieges
- Energiesicherheitsmassnahmen zur Stärkung der Versorgung
- Ein Rahmen gegen Wucherpreise, der auf Unternehmen abzielt, die Preisanstiege ausnutzen
Dieser letzte Punkt ist vielleicht der interessanteste. Die Competition and Markets Authority soll erweiterte, zeitlich begrenzte Befugnisse erhalten, um gegen Preistreiberei vorzugehen. Es ist ein Signal dafür, dass Reeves dafür bekannt sein will, Profiteure zu bestrafen, anstatt einfach nur Verbraucher zu subventionieren.
Das grosse Bild
Die Unterbrechung der Strasse von Hormus, durch die rund 20 % des weltweiten Öl- und Gastransits fliessen, ist der Motor dieser Krise. QatarEnergy stoppte Anfang März die LNG-Produktion und erklärte höhere Gewalt, was Schockwellen durch die Energiemärkte sandte, die noch immer nachhallen.
Berichten zufolge könnte die Gesetzgebung zu neuen Kernkraftwerken in der Thronrede im Mai eine Rolle spielen, obwohl dies noch nicht unabhängig bestätigt wurde. Energieminister Ed Miliband hat Berichten zufolge argumentiert, dass neue Nordseelizenzen für Öl und Gas die Preise nicht wesentlich beeinflussen würden, da Gas auf internationalen Märkten gehandelt wird, obwohl auch diese Behauptung noch auf eine breitere Bestätigung wartet.
Das Fazit
Reeves setzt auf eine politisch mutige, wirtschaftlich rationale Strategie: gezielte Unterstützung für diejenigen, die sie am dringendsten benötigen, anstatt einer publikumswirksamen universellen Geldverschwendung, die sich das Land nicht leisten kann. Da die Hypothekenzinsen auf über 5 % steigen und Ökonomen von Stagflation tuscheln, ist die Fehlertoleranz äusserst gering.
Ob dieser gezielte Ansatz ausreicht, hängt vollständig davon ab, wo die Energiepreise bis zum Herbst landen. Das Institute for Government hat davon abgeraten, sich zu übereilten Massnahmen drängen zu lassen, und empfiehlt stattdessen, ein gezieltes Programm für später im Jahr vorzubereiten, falls die hohen Preise anhalten. Vorerst bittet Reeves die Öffentlichkeit, eine unbequeme Wahrheit zu akzeptieren: In einer so kostspieligen Krise kann nicht jeder vor den Kosten geschützt werden.
Den Originalartikel lesen Sie bei der Quelle.

No comments yet. Be the first to share your thoughts.