PSG möchte Liga-Spiel verschieben, um Terminballung vor Liverpool-Duell zu vermeiden
Champions-League-Bequemlichkeit oder Wettbewerbsfarce?
Paris Saint-Germain hat offiziell beantragt, das Ligue-1-Auswärtsspiel bei Lens, das für Samstag, den 11. April angesetzt ist, zu verschieben. Der Grund? Es liegt genau zwischen den Viertelfinal-Hinspielen der Champions League gegen Liverpool, mit dem Hinspiel im Parc des Princes am 8. April und dem Rückspiel in Anfield am 14. April.
Ohne die Verschiebung würde PSG in nur sechs Tagen drei saisonentscheidende Spiele bestreiten müssen. Die Logik ist nachvollziehbar. Man versteht aber auch, warum Lens darüber absolut erzürnt ist.
Warum Lens nicht einverstanden ist
Das ist kein bedeutungsloses Mittelfeld-Duell ohne Relevanz. PSG steht an der Tabellenspitze der Ligue 1, Lens liegt nur einen Punkt dahinter auf dem zweiten Platz, und PSG hat noch ein Spiel in der Hand. Für Lens, das seit 1997/98 keinen Meistertitel mehr gewonnen hat, könnte dieses Spiel im Stade Bollaert-Delelis entscheidend für die Titelchancen sein.
Lens ließ keine Zeit verstreichen und veröffentlichte umgehend eine offizielle Stellungnahme, in der der Antrag scharf verurteilt wurde. Die Worte waren deutlich: Der Schritt reduziere die Ligue 1 auf "eine bloße Anpassungsvariable, die den europäischen Anforderungen einiger weniger unterworfen ist." Zudem wurde darauf hingewiesen, dass eine Neuansetzung den Klub 15 Tage lang ohne Wettkampfpraxis lassen würde, bevor anschliessend die Spiele im Drei-Tages-Rhythmus kämen. Das ist, offen gesagt, ein berechtigtes Argument.
Der LFP hat alle Trümpfe in der Hand
Hier ist die unbequeme Wahrheit für Lens: Ihre Zustimmung ist schlicht nicht erforderlich. Gemäss Artikel 22 der LFP-Statuten kann der Liga-Vorstand Spielansetzungen ohne Zustimmung des gegnerischen Klubs verschieben. Der Vorstand trifft sich am Donnerstag, um eine Entscheidung zu treffen, und der Präzedenzfall sieht für den Nordklub nicht ermutigend aus.
Früher in dieser Saison wurde PSGs Ligaspiel gegen Nantes verschoben, um den Champions-League-Achtelfinal-Duellen gegen Chelsea Platz zu machen (die PSG mit einem Gesamtscores von 8:2 gewannen, für alle, die Buch führen). Das Nantes-Spiel wurde still und leise auf den 22. April verlegt. Wenn der LFP es damals genehmigt hat, wäre es überraschend, wenn er es jetzt blockieren würde.
Auch Strasbourg hat einen ähnlichen Antrag gestellt, sein Ligue-1-Spiel gegen Brest rund um seine Conference-League-Verpflichtungen zu verschieben, sodass beide Fälle am Donnerstag möglicherweise gemeinsam entschieden werden.
Das grössere Bild
Diese Angelegenheit berührt eine Spannung, die seit Jahren im europäischen Fussball schwelt: Nationale Ligen passen sich zunehmend dem Champions-League-Kalender an. Für Klubs wie Lens, die um einen möglicherweise einmaligen Titelgewinn kämpfen, fühlt es sich zutiefst ungerecht an. Für PSG, das als amtierender Champions-League-Sieger mit Ousmane Dembele (dem amtierenden Ballon-d'Or-Gewinner) an vorderster Front den europäischen Ruhm anstrebt, erscheint es wie gesunder Menschenverstand.
Liverpool hat seinerseits seine eigenen Terminprobleme. Arne Slots Mannschaft empfängt Fulham zu Hause nur drei Tage vor dem Rückspiel in Anfield, nachdem sie Galatasaray im Achtelfinale mit 4:1 im Gesamtergebnis ausgeschaltet hat, darunter ein 4:0-Heimsieg. Der Sieger dieses Viertelfinals trifft im Halbfinale auf entweder Real Madrid oder Bayern München.
Das Urteil
PSG wird seinen Willen mit grösster Wahrscheinlichkeit durchsetzen. Der Präzedenzfall ist gesetzt, die Regeln erlauben es, und die finanzielle Schwerkraft des europäischen Fussballs zieht in eine Richtung. Aber Lens hat jedes Recht, sich benachteiligt zu fühlen. Wenn ein echter Titelkampf als Terminunanehmlichkeit behandelt wird, stimmt etwas mit den Prioritäten nicht. Die Entscheidung des LFP am Donnerstag wird uns genau zeigen, wo diese Prioritäten liegen.
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