Papst Leo XIV. verurteilt „Allmachtswahn" und verstärkt Friedensappelle im Iran-Konflikt
Papst Leo XIV. verurteilte in der Petersbasilika den „Allmachtswahn" hinter dem US-Iran-Konflikt und verschärfte damit seine päpstlichen Friedensappelle auf ein neues Niveau.
Die schärfste Rüge eines Papstes bisher
Papst Leo XIV. hat beim feierlichen Abendgebet in der Petersbasilika am Samstag, dem 11. April 2026, die bisher schärfste Verurteilung der US-israelischen Militärkampagne im Iran ausgesprochen. Der erste in Amerika geborene Papst, ursprünglich aus Chicago, nutzte den Gottesdienst, um das zu geißeln, was er einen „Allmachtswahn" nannte, der den Konflikt antreibe, und forderte die Weltführer auf, den Weg der Zerstörung zu verlassen.
„Genug von der Götzenanbetung des Selbst und des Geldes! Genug von der Machtdemonstration! Genug vom Krieg!" erklärte der Pontifex vor einer voll besetzten Gemeinde, zu der hochrangige Diplomaten und Geistliche aus aller Welt gehörten.
Vigil zeitlich abgestimmt auf Pakistan-Verhandlungen
Der Gottesdienst war kein Zufall. Er fiel mit dem Beginn der direkten US-Iran-Verhandlungen in Pakistan zusammen und verlieh dem vatikanischen Eingreifen eine deutlich diplomatische Note. Ein fragiler zweiwöchiger Waffenstillstand, der um den 8. April angekündigt worden war, hielt zum Zeitpunkt der Vigil noch an, obwohl nur wenige Beobachter darauf vertrauten, dass er ohne den nachhaltigen politischen Willen beider Seiten Bestand haben würde.
Unter den Anwesenden war Kardinal Dominique Joseph Mathieu, der in Belgien geborene Erzbischof von Teheran, dessen Teilnahme die unmittelbaren Auswirkungen des Konflikts auf die christlichen Gemeinschaften in der Region unterstrich. Berichten zufolge nahm auch ein hochrangiger Mitarbeiter der US-Botschaft teil, was jedoch über erste Presseberichte hinaus nicht unabhängig bestätigt wurde.
Ein eskalierendes Muster der Kritik
Die Vigil am Samstag war der Höhepunkt einer klar intensivierten Reihe päpstlicher Eingriffe in der Vorwoche:
5. April: Papst Leo nutzte seine Osterbotschaft für einen allgemeinen Appell für Frieden im Nahen Osten.
7. April: Von Castel Gandolfo aus bezeichnete er die Drohung von Präsident Trump, Irans „gesamte Zivilisation" zu zerstören, als „wirklich inakzeptabel".
8. April: Der Vatikan begrüßte die Ankündigung eines zweiwöchigen Waffenstillstands.
10. April: Der Papst stellte schlicht fest, dass „Gott keinen Konflikt segnet".
11. April: Die Vigil in der Petersbasilika mit der Verurteilung des „Allmachtswahns".
Der Verlauf ist unverkennbar. Was als bedachte Appelle zur Zurückhaltung begann, hat sich zu direkter, pointierter Kritik an den für militärische Aktionen vorgebrachten Rechtfertigungen entwickelt.
Widerstand gegen religiöse Kriegsrechtfertigung
Ein roter Faden in den Äußerungen von Papst Leo ist die klare Ablehnung von Versuchen, den Konflikt in religiösen Begriffen darzustellen. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat wiederholt den christlichen Glauben bemüht, wenn er Amerikas Rolle in der Kampagne schildert, und die USA als christliche Nation mit moralischer Autorität positioniert.
Der Papst hat diese Darstellung konsequent und entschieden zurückgewiesen. Sein Beharren darauf, dass Gott keinen Krieg billigt, ist eine direkte Antwort auf die aus Washington kommende Rhetorik. Es stellt den Vatikan klar in Opposition zu einer Regierung, die militärische Aktionen in die Sprache göttlichen Willens gekleidet hat.
Breite Solidarität in der katholischen Gemeinschaft
Die Vigil beschränkte sich nicht auf Rom. Die US-amerikanische Bischofskonferenz unter Leitung von Erzbischof Coakley lud Pfarreien in den gesamten Vereinigten Staaten ein, gleichzeitig Gebetsgottesdienste in Solidarität abzuhalten. Berichten zufolge schlossen sich Gemeinden in mehreren anderen Ländern an und machten das Ereignis zu einem globalen Ausdruck des Widerstands gegen den Konflikt.
Diese koordinierte Reaktion signalisiert mehr als nur die persönliche Überzeugung eines Papstes. Sie spiegelt eine breitere institutionelle Haltung der katholischen Kirche wider, die in einem Konflikt, in dem moralische Autorität von allen Seiten heftig umkämpft wird, beträchtliche Soft Power besitzt.
Was als Nächstes kommt
Angesichts der laufenden Verhandlungen in Pakistan und eines bestenfalls prekären Waffenstillstands werden die Eingriffe des Vatikans aller Voraussicht nach fortgesetzt. Papst Leo zeigt keinerlei Anzeichen, seine Sprache zu mäßigen, und die diplomatischen Einsätze steigen weiter. Die Sorge in vatikanischen Kreisen geht über den Iran selbst hinaus und betrifft den möglichen Übergriff auf den Libanon und die weitere Region, wo christliche Gemeinschaften besonders verwundbar sind.
Ob päpstlicher Druck die politischen Überlegungen in Washington oder Teheran tatsächlich verschieben kann, bleibt eine offene Frage. Aber Papst Leo XIV. hat eines unmissverständlich klargemacht: Die weltgrößte christliche Institution wird diesem Krieg nicht ihren Segen geben.
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