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Niederländische Schulen haben Handys verboten und die Ergebnisse liegen vor. Lehrkräfte fühlen sich bestätigt.

Eine Befragung von 317 niederländischen Schulen zeigt: 75 % berichten bessere Konzentration nach dem Handy-Verbot. Doch eine akademische Studie mahnt zur Vorsicht.

Niederländische Schulen haben Handys verboten und die Ergebnisse liegen vor. Lehrkräfte fühlen sich bestätigt.

Die Niederlande haben am 1. Januar 2024 den Schritt gewagt und Smartphones aus den Klassenräumen weiterführender Schulen verbannt. Anderthalb Jahre später liegen die Ergebnisse vor, und sie geben vielen Lehrkräften das Gefühl, vollkommen im Recht gewesen zu sein.

Eine im Auftrag der Regierung durchgeführte Befragung von 317 weiterführenden Schulen ergab, dass 75 % eine verbesserte Konzentration der Schülerinnen und Schüler meldeten, 59 % ein besseres soziales Klima feststellten und 28 % bessere schulische Leistungen verzeichneten. Staatssekretärin für Bildung Marielle Paul brachte es treffend auf den Punkt: "Weniger Ablenkung, mehr Aufmerksamkeit für den Unterricht und sozialere Schülerinnen und Schüler."

Wer schon einmal dabei zugeschaut hat, wie ein Teenager beim vermeintlichen Lernen TikTok scrollt, wird davon kaum überrascht sein.

Wie das Verbot in der Praxis funktioniert

Der niederländische Ansatz ist kein einheitliches Diktat von oben. Die Schulen haben bei der Umsetzung der Regeln gewisse Freiheiten, und fast zwei Drittel der weiterführenden Schulen bitten die Schülerinnen und Schüler inzwischen, ihre Handys zu Hause zu lassen oder in Schließfächern zu verstauen. Etwa jede fünfte Schule sammelt die Geräte zu Beginn jeder Unterrichtsstunde ein. Ausnahmen gelten für medizinische Zwecke, etwa für Hörgeräte mit Bluetooth-Verbindung.

Das Verbot wurde für das Schuljahr 2024/2025 auf Grundschulen ausgeweitet, obwohl die Auswirkungen dort minimal sind. Die meisten jüngeren Kinder brachten ohnehin keine Handys mit in die Schule, was je nach Perspektive entweder beruhigend oder leicht beunruhigend ist.

Nicht zu voreilig jubeln

Hier wird es etwas komplizierter. Die Schlagzeilen basieren auf einer Befragung von Schulleitungen, die ihre eigenen Wahrnehmungen schildern. Das ist nicht ganz dasselbe wie eine strenge, peer-reviewte Messung. Es lohnt sich, diesen methodischen Vorbehalt im Hinterkopf zu behalten, bevor man die Statistiken in Stein meißelt.

Und zum Thema Peer-Review: Eine separate akademische Studie, die im Journal of Youth and Adolescence (Springer, 2025) veröffentlicht wurde, befragte 1.398 Schülerinnen und Schüler an 24 Schulen und zeichnete ein differenzierteres Bild. Vollständige Verbote, die das gesamte Schulgelände und nicht nur die Klassenräume umfassten, wurden mit einer geringeren Verbundenheit zwischen Schülerinnen und Schülern und Lehrkräften assoziiert. Bei Mädchen korrelierten diese umfassenderen Verbote speziell mit einem geringeren Zugehörigkeitsgefühl zur Schulgemeinschaft.

Das ist ein bedeutsamer Befund, den die meisten fröhlichen Schlagzeilen stillschweigend übergangen haben. Die Konzentration mag gestiegen sein, aber wenn sich manche Schülerinnen und Schüler weniger mit ihrer Schulgemeinschaft verbunden fühlen, verdient dieser Zielkonflikt ernsthafte Aufmerksamkeit statt einer bloßen Handbewegung.

Ein globaler Trend, der Fahrt aufnimmt

Die Niederlande sind mit diesem Experiment keineswegs allein. Laut UNESCO-Daten hatten bis Ende 2024 mindestens 60 Länder Smartphone-Regeln an Schulen eingeführt oder überprüften entsprechende Maßnahmen. Frankreich, Ungarn, Finnland, Belgien und Deutschland befinden sich alle in verschiedenen Stadien ähnlicher Beschränkungen.

Die niederländische Regierung macht auch nicht bei den Klassenräumen halt. Es gibt nun Bestrebungen, den Zugang zu sozialen Medien für Unter-16-Jährige vollständig einzuschränken, was einen weit ambitionierteren Eingriff darstellen würde. Ob sich das als sinnvolle Politik oder gesetzgeberische Überreaktion erweist, bleibt abzuwarten.

Das Fazit

Die frühen Belege aus den Niederlanden sind durchaus ermutigend. Drei Viertel der Schulen berichten von besserer Konzentration, was schwer zu ignorieren ist, und dass fast sechs von zehn Schulen verbesserte soziale Interaktionen feststellen, deutet darauf hin, dass Handys nicht nur eine akademische, sondern auch eine soziale Ablenkung waren.

Aber machen wir uns nichts vor: Das Bild ist nicht vollständig rosig. Nur 28 % der Schulen meldeten bessere schulische Leistungen, die Daten werden von Mitarbeitenden selbst berichtet statt objektiv gemessen, und es gibt berechtigte Bedenken hinsichtlich der unbeabsichtigten Auswirkungen strengerer schulweiter Verbote auf das Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler.

Die vernünftige Schlussfolgerung? Handy-freie Unterrichtszeiten scheinen per saldo positiv zu sein, aber die Details der Umsetzung sind von enormer Bedeutung. Eine Unterrichtsstunde ohne Handy ist nicht dasselbe wie ein schulweites Handy-Verbot, und dieses Gleichgewicht zu finden wird die eigentliche Herausforderung sein, wenn weitere Länder nachziehen.

Vorerst können die niederländischen Lehrkräfte jedoch etwas genießen, das in der Bildungspolitik selten ist: frühe Ergebnisse, die darauf hindeuten, dass eine Reform tatsächlich funktioniert. Sie haben sich einen Moment stiller Genugtuung verdient. Handys natürlich aus.

Den Originalartikel lesen Sie bei der Quelle.

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Written by

Daniel Benson

Writer, editor, and the entire staff of SignalDaily. Spent years in tech before deciding the news needed fewer press releases and more straight talk. Covers AI, technology, sport and world events — always with context, sometimes with sarcasm. No ads, no paywalls, no patience for clickbait. Based in the UK.