Met Special Constable beschimpft Al Jazeera-Team und bearbeitet daraufhin klammheimlich sein LinkedIn-Profil
Ein ehrenamtlicher Polizeibeamter wurde gefilmt, wie er Journalisten in London beschimpfte. Nach dem Vorfall löschte er klammheimlich seinen Jobtitel auf LinkedIn.
Wenn man die gleichen gesetzlichen Befugnisse wie ein regulärer Polizeibeamter besitzt, sollte man es sich zweimal überlegen, bevor man eine gefilmte Tirade gegen arbeitende Journalisten loslässt. David Soffer hat diese Nachricht anscheinend nicht erhalten.
Soffer, ein Technologieunternehmer und ehrenamtlicher Special Constable bei der Metropolitan Police, wurde am Montag, dem 23. März, in Golders Green im Norden Londons dabei gefilmt, wie er ein Nachrichtenteam von Al Jazeera konfrontierte. Die Journalisten berichteten über einen Brandanschlag, bei dem vier Krankenwagen von Hatzola zerstört wurden, einem jüdischen, gemeinnützigen Rettungsdienst, der seit 1979 im Einsatz ist.
Seine Wortwahl? "Geh zurück nach Katar." Er soll zudem einen Journalisten auf Arabisch als "Esel, du Hund" bezeichnet haben, was eine bemerkenswerte sprachliche Leistung für jemanden ist, der sich scheinbar als Verteidiger des zivilen Diskurses positionieren will.
Der Brandanschlag, der die Konfrontation auslöste
Die Tirade folgte auf einen zutiefst beunruhigenden Vorfall. In den frühen Morgenstunden des Montags schütteten drei vermummte Verdächtige Brandbeschleuniger in vier Hatzola-Krankenwagen und steckten sie in Brand. Die daraus resultierenden Explosionen der Sauerstoffflaschen ließen die Fenster eines nahegelegenen Wohnblocks bersten und zwangen 34 Anwohner, ihre Wohnungen zu verlassen. Dies war kein bloßer Vandalismus, sondern ein kalkulierter Angriff auf einen karitativen Rettungsdienst.
Beamte der Terrorismusbekämpfung leiten die Ermittlungen, obwohl die Polizei den Vorfall bisher nicht offiziell als Terrorismus eingestuft hat. Zwei britische Staatsbürger im Alter von 47 und 45 Jahren wurden wegen des Verdachts auf Brandstiftung mit der Absicht, Menschenleben zu gefährden, festgenommen und später gegen Kaution bis April freigelassen. Berichten zufolge prüft die Polizei eine mögliche Verbindung zum Iran, und eine schiitische Gruppe namens Ashab al-Yamin hat auf Telegram die Verantwortung übernommen.
Die britische Regierung reagierte schnell. Gesundheitsminister Wes Streeting versprach, vier Ersatzkrankenwagen für die Hilfsorganisation zu finanzieren.
Vom Gesetzeshüter zum LinkedIn-Editor
Hier wird es für Soffer besonders unangenehm. Special Constables sind freiwillige Beamte, die exakt dieselben Befugnisse wie ihre hauptberuflichen Kollegen haben. Sie sind in jeder Hinsicht Polizeibeamte. Wenn also einer von ihnen dabei gefilmt wird, wie er Journalisten an einem Tatort beschimpft, sorgt das für Kopfschmerzen in der PR-Abteilung der Metropolitan Police.
Declassified UK identifizierte Soffer als Erster, und die Polizei bestätigte, dass er tatsächlich einer ihrer Special Constables ist. Die Dienststelle hat den Fall an ihre Abteilung für professionelle Standards verwiesen, was die höfliche institutionelle Art ist, zu sagen: Wir müssen ein Wörtchen mit ihm reden.
Soffer seinerseits löschte klammheimlich den Titel "Special Constable" aus seinem LinkedIn-Profil. Nichts schreit so sehr "Ich weiß, dass das schlecht aussieht" wie eine hastige Bearbeitung in den sozialen Medien. Declassified UK berichtete zudem, dass seine Aktivitäten in den sozialen Medien auch die Interaktion mit Beiträgen des rechtsextremen Aktivisten Tommy Robinson umfassten, in denen pro-israelische Ansichten geäußert wurden.
Reporter der Press Association vor Ort hörten Berichten zufolge auch, wie Journalisten als "Terroristen-Sympathisanten" bezeichnet wurden, wobei diese Behauptung über den Bericht der PA hinaus nicht unabhängig bestätigt wurde.
Ein aufgeladener und komplizierter Hintergrund
Die Konfrontation findet in einem zutiefst aufgeladenen Kontext statt. Al Jazeera sieht sich mit zunehmender Feindseligkeit von pro-israelischen Gruppen konfrontiert, insbesondere nachdem die israelische Regierung 2024 Schritte unternahm, um den Betrieb des Netzwerks einzustellen. Die Knesset verabschiedete das entsprechende Gesetz mit 71 zu 10 Stimmen, und Premierminister Netanjahu beschuldigte den Sender, "aktiv am Massaker vom 7. Oktober beteiligt gewesen zu sein und gegen IDF-Soldaten aufgehetzt zu haben".
Nichts davon gibt jedoch irgendjemandem das Recht, Journalisten bei ihrer Arbeit auf einer Londoner Straße zu beschimpfen. Reporter, die über einen Tatort berichten, leisten einen öffentlichen Dienst, unabhängig davon, welches Medium sie beschäftigt oder wo dieser Sender seinen Hauptsitz hat.
Die Metropolitan Police muss nun den schwierigen Spagat zwischen gesellschaftlichen Spannungen, Pressefreiheit und dem Verhalten ihrer eigenen ehrenamtlichen Beamten bewältigen. Für Soffer könnte die Ironie kaum größer sein: Ein Mann, der eigentlich für die Einhaltung der Gesetze zuständig ist, wird dabei gefilmt, wie er sich auf eine Weise verhält, die seine eigene Dienststelle nun für eine Untersuchung durch die Abteilung für professionelle Standards für würdig hält.
Wenn Reputationsmanagement wirklich sein Fachgebiet ist, war dies keine glanzvolle Woche für ihn.
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