Lügen Beine? Warum mehr Laufen im Fußball noch lange nichts garantiert

Lügen Beine? Warum mehr Laufen im Fußball noch lange nichts garantiert

Tottenham lief sich die Beine ab und kassierte trotzdem eine Klatsche

Tottenham lief Nottingham Forest am Sonntag deutlich mehr Kilometer ab und verlor trotzdem 3:0. Wären Punkte an Einsatz geknüpft, wären die Spurs Meister. Leider vergibt die Premier League keine Trophäen für Ausdauerleistung.

Es ist einer der hartnäckigsten Mythen im Fußball: Wer mehr läuft, will es mehr, und wer es mehr will, gewinnt. Experten lieben diese These. Trainer bemühen sie nach Niederlagen. Doch die Daten erzählen eine weitaus differenziertere Geschichte.

Die Zahlen: Man City läuft am meisten, aber selbst Guardiola zweifelt

Manchester City führt die Premier League 2025/26 in der zurückgelegten Gesamtdistanz an: durchschnittlich bemerkenswerte 115,4 km pro Spiel über die ersten 11 Partien, insgesamt 1.269 km. Das sind 7 km mehr pro Spiel als beim Tabellenzweiten Arsenal. Phil Foden kommt auf durchschnittlich 12,42 km pro 90 Minuten, Bernardo Silva steht mit 12,11 km kaum nach.

Und dennoch scheint selbst Pep Guardiola gegenüber rohen Distanzwerten skeptisch zu sein. Nach Citys 3:0-Abreibung gegen West Ham sagte er: "Ich liebe es, letzte Saison hatten wir das nicht. Aber es reicht nicht, wir müssen besser spielen, damit wir weniger laufen können."

Lesen Sie das noch einmal. Der Trainer der Mannschaft, die in der Liga am meisten läuft, möchte, dass seine Spieler weniger laufen. Das sagt eigentlich alles.

Sinnvolle Kilometer vs. nutzlose Kilometer

Ein durchschnittlicher Premier-League-Spieler legt pro Spiel 10 bis 12 km zurück, wobei Mittelfeldspieler auf rund 10,6 km kommen und Innenverteidiger auf etwa 9,2 km. Aber hier kommt der entscheidende Punkt: Nur 10 bis 15 Prozent der Gesamtdistanz werden mit hoher Geschwindigkeit zurückgelegt. Und genau diese intensiven Aktionen sind es, die Spiele tatsächlich entscheiden.

Eine Analyse von Squawka ergab keine signifikante Korrelation zwischen der durchschnittlichen zurückgelegten Gesamtdistanz und den Punkten pro Spiel über eine Saison. Hochgeschwindigkeits-Sprints jedoch, also explosive Antriebe über 25,2 km/h, zeigen immerhin einen schwachen, aber statistisch signifikanten Zusammenhang mit Ergebnissen.

Wissenschaftliche Forschung bestätigt dies. Eine in PMC veröffentlichte Studie stellte fest, dass Spitzenteams der Premier League insgesamt keine größere Hochintensitätsdistanz zurücklegen als Teams aus dem Tabellenkeller. Was sie jedoch leisten, ist 39 bis 51 Prozent mehr Hochintensitätsdistanz bei taktischen Aktionen wie dem Freilaufen zum Ball, dem Ausnutzen von Räumen und Läufen mit Ballbesitz. Es kommt nicht darauf an, wie weit man läuft. Sondern wie gezielt.

Nottingham Forest: Die Kunst, weniger zu tun

Nuno Espirito Santos Nottingham Forest ist das perfekte Gegenbeispiel. Forest war in dieser Saison trotz fehlender Spitzenplätze bei den Gesamtkilometern als Team überaus effektiv. Ihr Ansatz basiert auf Struktur, Disziplin und klinischem Kontern statt endlosem Pressing.

Interessanterweise führt Elliot Anderson individuell alle Premier-League-Spieler mit 342,39 km in 2.774 Spielminuten in dieser Saison an. Es liegt also nicht daran, dass Forest-Spieler faul wären. Das System des Teams erfordert schlicht nicht, dass jeder sinnlose Kilometer sammelt.

Individuelle Rekorde schreiben ihre eigene Geschichte

Für Statistikfans: Bruno Guimaraes hält den Einzelspiel-Distanzrekord dieser Saison mit 13,24 km beim packenden 4:3-Sieg von Newcastle gegen Leeds am 7. Januar 2026. Bernardo Silva kam auf 13,13 km gegen Nottingham Forest am 4. März, und Pascal Gross lief 13,11 km für Brighton gegen Man City im Januar.

Große individuelle Leistungen bei großen Ergebnissen? Manchmal. Aber Korrelation ist keine Kausalität, und ein Spieler, der einen Kilometer mehr läuft, entscheidet selten ein Spiel allein.

Das Fazit: Laufen mit Sinn, nicht aus Panik

Der frühere Chelsea-Trainer Enzo Maresca gab vor seinem Abgang von der Stamford Bridge im Januar 2026 zu, sein Team sei "für Umschaltspiele nicht gut genug" und ihre schwächsten Leistungen seien in temporeichem, transitionslastigem Spiel aufgetreten. Das war ein ehrliches Eingeständnis, dass manche Teams schlicht nicht dafür ausgelegt sind, ihre Gegner zu überlaufen.

Die Schlussfolgerung ist eindeutig. Mehr zu laufen ist weder grundsätzlich gut noch schlecht. Entscheidend ist warum man läuft. Gezieltes, taktisch kluges Bewegen schlägt blindes Hin-und-her-Rennen jedes Mal. Tottenham kann das bestätigen.

Den Originalartikel lesen Sie bei der Quelle.

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Written by

Daniel Benson

Writer, editor, and the entire staff of SignalDaily. Spent years in tech before deciding the news needed fewer press releases and more straight talk. Covers AI, technology, sport and world events — always with context, sometimes with sarcasm. No ads, no paywalls, no patience for clickbait. Based in the UK.