Just Eat, Autotrader und Co. im Visier der CMA wegen gefälschter Bewertungen
Die CMA untersucht fünf Unternehmen wegen gefälschter Online-Bewertungen. Neue Gesetze ermöglichen Bußgelder von bis zu 10 % des weltweiten Umsatzes.
Wer sich schon einmal gefragt hat, ob die strahlende Fünf-Sterne-Bewertung für einen fragwürdigen Lieferdienst wirklich von einem echten Menschen stammt oder von einem Marketing-Praktikanten mit Quotenvorgabe, der findet in der Competition and Markets Authority (CMA) einen Verbündeten. Die Behörde hat formelle Untersuchungen gegen fünf Unternehmen eingeleitet, denen sie vorwirft, es mit Online-Bewertungen nicht so genau zu nehmen. Die Namen auf der Liste sind durchaus bemerkenswert.
Wer steht im Rampenlicht?
Just Eat, Autotrader, Dignity, Feefo und Pasta Evangelists sind die Unternehmen, die nun unter dem prüfenden Blick der CMA stehen. Gegen jedes von ihnen bestehen konkrete Vorwürfe, und keiner davon ist besonders schmeichelhaft.
- Just Eat wird untersucht, weil sein Bewertungssystem die Sternebewertungen bestimmter Restaurant- und Lebensmittelpartner künstlich angehoben haben soll. Falls das stimmt, verdankt der vermeintliche "4,8-Sterne-Kebabladen" seinen Ruf vielleicht eher der Mathematik als der Marinade.
- Autotrader und Feefo werden beschuldigt, negative Bewertungen herausgefiltert zu haben, wodurch Verbrauchern ein vollständiges Bild vorenthalten wurde. Das ist in etwa so, als würde man jemandem nur die Highlights aus dem Leben eines Gebrauchtwagens zeigen.
- Dignity, der Bestattungsdienstleister, steht im Verdacht, eigene Mitarbeiter gebeten zu haben, positive Bewertungen über seine Kremationsleistungen zu verfassen. Ein Ausmaß an unternehmerischem Enthusiasmus, auf das die meisten von uns gerne verzichten.
- Pasta Evangelists soll angeblich Rabatte im Austausch für Fünf-Sterne-Bewertungen angeboten haben, ohne diese Vereinbarung offenzulegen. Gratis-Pappardelle gegen Lob, keine weiteren Fragen.
Warum das jetzt wichtig ist
Diese fünf Fälle sind Teil einer umfassenderen Untersuchung. Die CMA hat bestätigt, dass insgesamt 14 Unternehmen derzeit auf Grundlage der Befugnisse des Digital Markets, Competition and Consumers (DMCC) Act 2024 überprüft werden, der im April 2025 in Kraft trat. Das Gesetz verbietet ausdrücklich gefälschte Bewertungen, nicht offengelegte bezahlte Rezensionen sowie die Unterdrückung negativer Rückmeldungen.
Entscheidend ist: Die CMA muss Unternehmen nicht mehr durch langwierige Gerichtsverfahren zwingen. Sie kann nun direkt Bußgelder von bis zu 10 % des weltweiten Jahresumsatzes eines Unternehmens verhängen. Für große Konzerne ist das kein leichter Klaps, sondern ein echter Schlag.
CMA-Geschäftsführerin Sarah Cardell hat deutlich gemacht, dass die Behörde diese Befugnisse entschlossen einsetzen wird. Ein Update zu diesen konkreten Untersuchungen wird für September 2026 erwartet.
Das Ausmaß des Problems
Untersuchungen von TruthEngine, die auf einer Fünf-Jahres-Studie basieren, legen nahe, dass rund 50 % aller Online-Bewertungen gefälscht sind. Das sollte man sich kurz vergegenwärtigen. Die Hälfte. Laut eigenen Zahlen der CMA nutzen 89 % der britischen Erwachsenen Online-Bewertungen bei der Recherche zu Produkten oder Dienstleistungen, was bedeutet, dass Millionen von Kaufentscheidungen durch erfundene Rückmeldungen beeinflusst werden.
Nicht nur Verbraucher leiden darunter. Im Jahr 2024 wurde eine kleine Gruppe unabhängiger Restaurants in Großbritannien von Kriminellen erpresst, die drohten, ihre Einträge mit gefälschten Ein-Stern-Bewertungen zu fluten, wenn sie nicht Tausende von Pfund zahlten. Das Bewertungsökosystem ist zu einem Schlachtfeld geworden, auf dem ehrliche Unternehmen oft die leidtragenden Seiten sind.
Google, Amazon und frühere Maßnahmen
Die CMA hat bereits Zusagen von den Tech-Giganten erwirkt. Google unterzeichnete im Januar 2025 Verpflichtungserklärungen, um den Umgang mit gefälschten Bewertungen auf seiner Plattform grundlegend zu überarbeiten. Amazon folgte im Juni 2025 mit eigenen Zusagen. Beide Vereinbarungen zielen darauf ab, Prozesse zu verschärfen und betrügerische Bewertungen zu bekämpfen, bevor sie Verbraucher erreichen.
Was als Nächstes passiert
Verbraucherorganisationen haben die Untersuchungen begrüßt. Sue Davies, Leiterin für Verbraucherrechte und Lebensmittelpolitik bei Which?, hat seit Langem gefordert, dass das Bewertungssystem einer ernsthaften Bereinigung bedarf. Der frühere CMA-Rechtsdirektor Tom Smith, heute Partner bei Geradin Partners, hat auf die Bedeutung hingewiesen, mit der die Behörde ihre neuen Durchsetzungsbefugnisse so öffentlich einsetzt.
Für Verbraucher lautet die Botschaft klar: Skepsis bleibt der beste Ratgeber, wenn man durch verdächtig makellose Bewertungen scrollt. Und für Unternehmen, die versucht sind, das System zu manipulieren, hat die CMA eines unmissverständlich klargemacht: Die Ära der folgenlosen Bewertungsmanipulation ist vorbei.
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