Japan sichert Freilassung eines inhaftierten Staatsbürgers aus Iran, doch ein zweiter Gefangener bleibt hinter Gittern
Einer frei, einer noch immer in Haft
Japan hat die Freilassung eines Staatsbürgers gesichert, der seit Juni 2025 im Iran festgehalten wurde, doch der diplomatische Erfolg ist nur ein halber Sieg. Ein zweiter japanischer Häftling, der NHK-Journalist Shinnosuke Kawashima, sitzt weiterhin in einem der berüchtigtsten Gefängnisse der Welt.
Außenminister Toshimitsu Motegi gab die Neuigkeit am Sonntag, den 22. März 2026 in einer Fernsehsendung bekannt und bestätigte, dass die freigelassene Person über Aserbaidschan ausgereist war und an jenem Morgen wohlbehalten in Japan angekommen sei.
Was wir über die Freilassung wissen
Die iranischen Behörden erklärten, sie hätten die Person freigelassen, nachdem diese ihre Haftstrafe verbüßt habe. Der Häftling war rund neun Monate lang festgehalten worden, nachdem er im Juni 2025 in Gewahrsam genommen und zwischen dem 18. und 19. März 2026 entlassen worden war.
Die japanischen Behörden haben die Identität der freigelassenen Person nicht öffentlich bekannt gegeben, was die Sensibilität der Lage deutlich unterstreicht. Bekannt ist, dass Motegi wiederholt diplomatischen Druck auf seinen iranischen Amtskollegen, Außenminister Abbas Araghchi, ausgeübt hatte, um die Freilassung beider inhaftierten Staatsbürger zu erwirken.
Der Journalist, der noch immer hinter Gittern sitzt
Die weniger erfreuliche Hälfte dieser Geschichte betrifft Shinnosuke Kawashima, den Büroleiter von NHK in Teheran. Er wurde am 20. Januar 2026 vom Islamischen Revolutionsgarde-Korps des Iran verhaftet und anschließend am 23. Februar in das Evin-Gefängnis verlegt.
Wer den Namen Evin kennt, weiß warum. Die Einrichtung ist international berüchtigt als Ort für politische Gefangene, und Kawashima soll Berichten zufolge in Block 7 untergebracht sein, dem speziell für politische Häftlinge vorgesehenen Bereich.
Die Umstände seiner Verhaftung zeichnen ein düsteres Bild der Pressefreiheit im Iran. Seinem Kollegen, dem Kameramann Mehdi Mohammedi, wurden Pass, Telefon, Laptop, Kamera und sogar das Telefon seiner Frau beschlagnahmt. Ein weiteres namentlich nicht genanntes NHK-Mitglied soll den Iran Anfang Februar verlassen haben, nachdem es nach Kawashimas Verhaftung wiederholt von den Behörden vorgeladen worden war.
Ein umfassenderer Angriff auf den Journalismus
Kawashima ist bei Weitem nicht der Einzige. Laut dem Komitee zum Schutz von Journalisten wurden seit den Dezemberprotesten mindestens 12 Journalisten im Iran verhaftet, sieben davon befinden sich noch immer in Haft. Das Gesamtbild ist noch düsterer: Mindestens 15 Journalisten, sowohl iranische als auch ausländische, sitzen derzeit in dem Land hinter Gittern.
Sara Qudah, Regionaldirektorin des CPJ, hat die Verhaftungen als gezielten Versuch der iranischen Behörden, unabhängige Berichterstattung zum Schweigen zu bringen, bezeichnet. Angesichts der Beweislage ist das keine besonders gewagte These.
Verschlechternde Zustände im Evin-Gefängnis
Hinzu kommt der Zustand des Evin-Gefängnisses selbst. Seit Beginn der US-amerikanischen und israelischen Angriffe am 28. Februar 2026 warnen Menschenrechtsgruppen vor sich rapide verschlechternden Bedingungen in der Einrichtung. Es gibt Berichte über Gefängnispersonal, das die Anlage verlassen hat, über Lebensmittelengpässe und über die Übergabe der Kontrolle an spezielle Antiterroreinheiten.
Für Kawashimas Familie und Kollegen ist das alles andere als beruhigend.
Was kommt als Nächstes?
Auch Japans stellvertretender Kabinettssekretär Masanao Ozaki hat öffentlich die baldige Freilassung inhaftierter Staatsbürger gefordert, sodass der diplomatische Druck aus mehreren Richtungen kommt. Ob dieser Druck im Fall Kawashima ausreicht, bleibt abzuwarten.
Die Freilassung des ersten Häftlings zeigt, dass stille Diplomatie mit Teheran Früchte tragen kann. Doch ein Journalist, der vom IRGC aus offenbar politisch motivierten Gründen festgehalten wird, ist ein ganz anderer Fall als ein Zivilist, der nominell eine Haftstrafe verbüßt hat.
Tokio wird darauf hoffen, dass der Goodwill aus dem ersten gelösten Fall Schwung für den nächsten bringt. Die Geschichte lehrt, dass man dabei nicht zu viel Optimismus zeigen sollte, aber in der iranischen Diplomatie ist schon Seltsameres passiert.
Den Originalartikel lesen Sie bei der Quelle.

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