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Henderson unterstützt ausgebuhten Ben White: 'Wir stehen hinter ihm'

Jordan Henderson stellt sich nach den Pfiffen in Wembley hinter Ben White, der beim 1:1 gegen Uruguay traf, aber auch den Ausgleichstreffer verschuldete.

Henderson unterstützt ausgebuhten Ben White: 'Wir stehen hinter ihm'

Eine feindselige Heimkehr

Es gibt etwas eigenartig Unangenehmes daran, zuzusehen, wie 80.000 Menschen einen ihrer eigenen Spieler ausbuhen. Genau das erlebte Ben White, als er im Wembley-Stadion als Einwechselspieler in der 69. Minute das Spielfeld betrat, beim 1:1-Unentschieden Englands gegen Uruguay am Freitagabend.

Der Arsenal-Verteidiger, der seinen ersten Länderspieleinsatz seit März 2022 bestritt, wurde von einem beachtlichen Teil der heimischen Zuschauer ausgepfiffen. Sein Vergehen? Er verliess den WM-Kader 2022 in Katar unter mysteriösen Umständen und machte sich danach fast vier Jahre lang nicht für eine Nominierung verfügbar.

White liess seine Füsse sprechen. Zwölf Minuten nach seiner Einwechslung traf er in der 81. Minute zur englischen Führung. Die perfekt laute Antwort eines stillen Mannes.

Henderson kennt das Gefühl

Wenn jemand weiss, wie es sich anfühlt, vom eigenen Anhang kritisiert zu werden, dann ist es Jordan Henderson. Der 35-jährige Brentford-Mittelfeldspieler, der gegen Uruguay seinen 89. Länderspieleinsatz absolvierte, wurde von England-Fans selbst ausgebuht, nachdem er 2023 umstritten zum saudischen Klub Al-Ettifaq gewechselt war.

Nach dem Spiel äusserte sich Henderson unmissverständlich in seiner Unterstützung für White.

"Wir werden Ben unterstützen. Die Jungs stehen hinter ihm. Er kam rein, erzielte ein Tor und zeigte genau, was er dieser Mannschaft bieten kann."

Es war eine besonnene, einfühlsame Stellungnahme eines Spielers, der selbst einiges durchgemacht hat. Hendersons Botschaft war klar: Was auch immer in Katar geschah, welche persönlichen Spannungen auch noch bestehen, die Umkleidekabine wird sich um White scharen.

Die Katar-Frage bleibt offen

Whites Abgang vom WM-Kader 2022 wurde offiziell mit "persönlichen Gründen" erklärt. Berichten zufolge war der eigentliche Auslöser jedoch ein Streit mit Assistenztrainer Steve Holland. Was auch immer die Wahrheit ist, der Vorfall hinterliess einen schalen Nachgeschmack, und Cheftrainer Thomas Tuchel räumte vor dem Uruguay-Spiel ein, dass White mit Teamkollegen aus jenem Kader "die Luft reinigen" müsse.

Tuchel bezeichnete den 28-Jährigen ausserdem als "introvertiert" und "schüchtern", was vielleicht erklärt, warum der Versöhnungsprozess Zeit gebraucht hat. White wurde lediglich als kurzfristiger Ersatz für den verletzten Bayer-Leverkusen-Verteidiger Jarell Quansah nachnominiert, was darauf hindeutet, dass dies kein Teil eines grossen Plans zur Wiedereingliederung war.

Ein bitterer Abend

Whites Tor hätte die Schlagzeile sein sollen. Stattdessen nahm die Geschichte eine weitere Wendung, als der VAR entschied, dass er Federico Vinas in der Nachspielzeit gefoult hatte. Federico Valverde trat an und verwandelte den fälligen Elfmeter in der 94. Minute zum 1:1-Ausgleich für Uruguay.

Der Mann, der England in Führung gebracht hatte, verschuldete also auch den Ausgleich. Fussball hat manchmal einen bösen Sinn für Ironie.

Der vollständigkeit halber: Es war Whites fünfter Länderspieleinsatz, nicht sein sechster, wie einige Berichte suggerierten. Seine vier vorherigen Auftritte kamen gegen Österreich und Rumänien im Juni 2021 sowie gegen die Schweiz und die Elfenbeinküste im März 2022. Dazwischen liegt eine lange Zeit.

Wie geht es weiter?

Die eigentliche Frage ist, ob Tuchel White als Teil seiner Pläne für die WM 2026 sieht oder ob dies lediglich ein einmaliger Kurzeinsatz aus der Not heraus war. Mit 28 Jahren befindet sich White in seinen besten Jahren, und seine Vielseitigkeit in der Abwehrreihe macht ihn zu einer echten Option.

Die Reaktion der Fans zeigt jedoch, dass der Weg zurück nicht reibungslos verlaufen wird. White braucht mehr als ein Tor, um die Zweifler zu überzeugen. Er braucht Konstanz, Verfügbarkeit und vielleicht die Bereitschaft, das Thema öffentlich anzusprechen.

Hendersons Rückendeckung ist ein guter Anfang. Wenn eine erfahrene Persönlichkeit öffentlich den Arm um einen legt, hat das in jeder Umkleidekabine Gewicht. Ob das Wembley-Publikum nachzieht, bleibt abzuwarten.

Eines ist sicher: Wenn White weiterhin Tore erzielt, werden die Buhrufe irgendwann in Jubel übergehen. Fussballfans haben ein kurzes Gedächtnis, wenn man gewinnt.

Den Originalartikel lesen Sie bei der Quelle.

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Written by

Daniel Benson

Writer, editor, and the entire staff of SignalDaily. Spent years in tech before deciding the news needed fewer press releases and more straight talk. Covers AI, technology, sport and world events — always with context, sometimes with sarcasm. No ads, no paywalls, no patience for clickbait. Based in the UK.