Großbritanniens 800-Millionen-Pfund-'Silicon Valley' bekommt grünes Licht - und das wird auch Zeit
Die Regierung verdoppelt ihre Investition auf 800 Millionen Pfund für den Oxford-Cambridge-Wachstumskorridor - mit KI-Zone, neuen Bahnstrecken und 78 Milliarden Pfund Wachstumspotenzial bis 2035.
Der Oxford-Cambridge-Korridor hat endlich ernsthaftes Geld im Rücken
Nach Jahren des Zögerns, Verwerfens und politischen Hin-und-Hers hat die Regierung endlich ordentliche Mittel für das bereitgestellt, was Europas Antwort auf das Silicon Valley werden könnte. Kanzlerin Rachel Reeves hat einer Investition von 800 Millionen Pfund in den Oxford-Cambridge-Wachstumskorridor zugestimmt, womit die ursprüngliche Zuweisung von 400 Millionen Pfund verdoppelt wird - ein klares Signal, dass man es diesmal ernst meint.
Die Ankündigung, die Reeves während ihrer Mais-Vorlesung am 17. März 2026 machte, umfasst einen weitreichenden Technologie- und Wissenschaftskorridor, der zwei der renommiertesten Universitätsstädte der Welt verbindet. Aber seien wir ehrlich: ihn einen Korridor "zwischen Oxford und Cambridge" zu nennen, ist etwas vereinfachend. Milton Keynes und Bedford liegen mittendrin und sind sehr wohl Teil des Plans.
Was wird eigentlich gebaut?
Im Mittelpunkt der Initiative steht eine neue Greater Oxford Development Corporation, nach dem Vorbild der London Legacy Development Corporation, die die Olympischen und Paralympischen Spiele 2012 in East London realisiert hat. Es ist das strukturelle Konzept, das hier übernommen wird - nicht unbedingt dieselben Personen - also sollte man die Erwartungen entsprechend dämpfen.
Wofür das Geld vorgesehen ist:
- Die Cowley Branch Line wird nach 60 Jahren des Dornröschenschlafs wiedereröffnet, mit neuen Bahnhöfen in Littlemore und Cowley. Das allein könnte bis zu 10.000 neue Arbeitsplätze und Wohnungen in Oxford erschliessen.
- Grossbritanniens erste KI-Wachstumszone wird in Culham, Oxfordshire, eingerichtet - denn offenbar braucht jede grössere Tech-Initiative heutzutage "KI" im Namen.
- East-West-Rail-Verbindungen zwischen Oxford und Milton Keynes werden bald erwartet, obwohl Gewerkschaftsstreitigkeiten über den Einpersonenbetrieb zu Verzögerungen geführt haben. Wie gehabt.
- Eine 10-Milliarden-Pfund-Erweiterung des Ellison Institute of Technology sowie ein 15-Millionen-Pfund-Innovationszentrum der Universität Cambridge sind ebenfalls Teil des Pakets.
Die relevanten Zahlen
Die Regierung schätzt, dass dieser Korridor bis 2035 einen zusätzlichen Bruttowertschöpfungsbeitrag (GVA) von 78 Milliarden Pfund generieren könnte. Das ist keine kleine Zahl. Die Region bedient bereits eine Bevölkerung von rund 3,5 Millionen Menschen, und die Universitäten Oxford und Cambridge haben zusammen einen Jahresumsatz von über 5 Milliarden Pfund - mit fast 2 Milliarden Pfund an Forschungseinnahmen.
Zum Vergleich: Im vergangenen Jahrzehnt wurden in der Region 27,5 Milliarden Pfund an Investitionen angezogen und 43.000 Arbeitsplätze geschaffen. Das Ziel ist es, diese Entwicklung massiv zu beschleunigen.
Warum es diesmal anders sein könnte
Wir waren schon einmal an diesem Punkt. Das Konzept des Oxford-Cambridge-Bogens wurde unter der vorherigen konservativen Regierung ins Gespräch gebracht, bevor es stillschweigend zu den Akten gelegt wurde. Was hat sich also geändert?
Zunächst einmal liegt echtes Geld auf dem Tisch - und davon nicht wenig. Patrick Vallance, der Wissenschaftsminister, wurde mit der Überwachung der Umsetzung beauftragt, was dem Ganzen echte wissenschaftliche Glaubwürdigkeit verleiht und nicht nur politische Schaufensterdekoration ist. Eine Cambridge Growth Company wurde bereits als Tochtergesellschaft von Homes England gegründet, was darauf hindeutet, dass die Räder tatsächlich in Bewegung gesetzt werden.
Die Regierung hat auch angedeutet, dass sie bei Bedarf von Enteignungsrechten Gebrauch machen könnte, wenn Grundeigentümer die Entwicklung blockieren. Das ist ein mutiger Schritt und zeigt, dass man bereit ist, sich durchzusetzen.
Der Elefant im Raum
Hier ist die unbequeme Wahrheit: Oxford und Cambridge haben zusammen im Jahr 2024 rund 2 Milliarden Euro an Tech-Finanzierungen eingeworben, verglichen mit 17 Milliarden Euro für London. Das ist eine gewaltige Lücke, und kein Rebranding als "Silicon Valley" wird sie über Nacht schliessen. Infrastrukturinvestitionen sind unerlässlich - aber ebenso wichtig ist der Aufbau eines Ökosystems, das Gründer dazu bringt, Oxford statt Shoreditch zu wählen.
Und dann wäre da noch Universal Studios, das im Rahmen der weiteren Korridorinvestitionen einen Freizeitpark in Bedfordshire plant. Weil nichts so sehr nach "hochmoderner Tech-Hub" klingt wie Achterbahnen.
Das Fazit
Das ist wirklich vielversprechend. Die Finanzierung ist real, der institutionelle Rahmen ist sinnvoll, und das wirtschaftliche Potenzial, diese beiden akademischen Kraftzentren mit vernünftiger Infrastruktur und Wohnraum zu verbinden, ist enorm. Ob es dem "Silicon Valley"-Anspruch gerecht wird, bleibt abzuwarten - aber mit 800 Millionen Pfund ist dies der bisher ernsthafteste Versuch.
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