Großbritannien will russische Schattenflotten-Tanker entern, und Putin wird das gar nicht gefallen

Großbritannien will russische Schattenflotten-Tanker entern, und Putin wird das gar nicht gefallen

Wer dachte, die Zeiten der Royal Navy, in denen sie verdächtige Schiffe auf hoher See enterte, seien längst Geschichte und allenfalls noch aus Johnny-Depp-Filmen bekannt, wird gerade eines Besseren belehrt. Premierminister Keir Starmer hat soeben Militäreinsätze genehmigt, die es den britischen Streitkräften und Strafverfolgungsbehörden erlauben, sanktionierte Schiffe der russischen Schattenflotte in britischen Gewässern zu entern. Das Ziel? Putins Kriegsmaschinerie von den Öleinnahmen abzuschneiden, die sie am Laufen hält.

Was genau ist die Schattenflotte?

Russlands sogenannte Schattenflotte ist eine zusammengewürfelte Armada aus über 1.000 veralteten Tankern, die unter den Flaggen anderer Nationen fahren, um westliche Sanktionen zu umgehen. Diese Schiffe transportieren rund 75 % von Russlands Rohölexporten und erwirtschaften geschätzte 87 bis 100 Milliarden Dollar an jährlichen Einnahmen. Das ist kein Kleingeld. Es ist die finanzielle Lebensader eines Krieges, und Großbritannien hat nun signalisiert, dass es diese kappen will.

Das Vereinigte Königreich hat inzwischen 544 dieser Schiffe sanktioniert, gegenüber 520 im Januar 2026, und koordinierte Aktionen der Verbündeten haben bereits rund 200 Schiffe außer Dienst gestellt. Die Flotte hat sich seit 2022 jedoch verdreifacht, sodass noch einiges an Arbeit vor uns liegt.

Mit klarem Ziel aus Helsinki

Starmer gab die Ankündigung beim Gipfel der Joint Expeditionary Force in Helsinki, Finnland, bekannt. Die JEF ist eine Koalition aus 10 nordeuropäischen Nationen unter britischer Führung, darunter Dänemark, Estland, Finnland, Island, Lettland, Litauen, die Niederlande, Norwegen und Schweden. Sie ist im Grunde die Nachbarschaftswache des Nordatlantiks und der Ostsee, und den Nachbarn reicht es mit den rostigen Tankern, die durch ihre Gewässer schleichen.

Finnland, Schweden und Estland haben bereits eigene Aktionen gegen Schiffe der Schattenflotte in der Ostsee durchgeführt. Finnland enterte Ende 2024 auf bemerkenswerte Weise den Tanker Eagle S. Das Vereinigte Königreich hat bislang nur eine unterstützende Rolle bei alliierten Operationen gespielt, anstatt selbst die Führung zu übernehmen.

Kein Neuling im Spiel

Großbritannien hat sich auf diesen Moment vorbereitet. Im Januar 2026 halfen RAF-Überwachungsflugzeuge und die RFA Tideforce den Vereinigten Staaten dabei, den Tanker Marinera (ehemals Bella 1) in den Gewässern zwischen Island und Schottland zu beschlagnahmen. HMS Dagger unterstützte Frankreich bei der Beschlagnahme des Tankers Grinch im westlichen Mittelmeer, und HMS Cutlass half bei der französischen Abfangaktion des Tankers Deyna.

Unterstützen ist eine Sache. Eine Enteroperation in den eigenen Gewässern selbst zu führen, ist eine ganz andere. Dies wäre das erste Mal, dass britische Streitkräfte direkt ein Schiff der Schattenflotte entern.

Ausgebildet und bereit

Militär- und Strafverfolgungsspezialisten haben Trainings für verschiedene Szenarien absolviert, darunter bewaffneter Widerstand, nicht kapitulationsbereite Schiffe und Besatzungen, die hochentwickelte Mittel zur Überwachungsumgehung einsetzen. Je nach erwartetem Widerstandsniveau könnten der Special Boat Service und die Royal Marines zum Einsatz kommen. Zu den bereitstehenden Marine-Einheiten zählen HMS Tyne, HMS Mersey, HMS Severn sowie Wildcat-Hubschrauber des 815 Naval Air Squadron.

Die rechtliche Grundlage hierfür bildet der Sanctions and Anti-Money Laundering Act 2018, der bereits im Januar als geeigneter Rahmen identifiziert wurde. Schiffe ohne Flagge oder mit falscher Flagge können als "disqualifizierte Schiffe" eingestuft werden, wodurch ihnen der übliche Schutz nach Seerecht entzogen wird. Festgenommene Eigentümer, Betreiber und Besatzungsmitglieder könnten nach britischem Sanktionsrecht strafrechtlich verfolgt werden.

Russland ist nicht begeistert

Wenig überraschend betrachtet Moskau die Sache mit Missbilligung. Botschafter Andrey Kelin verglich die geplanten Enteraktionen mit Piraterie und erklärte, dass "Großbritannien längst aufgehört hat, Herrscher der Meere zu sein, und seine Handlungen nicht ungestraft bleiben werden." Er deutete auch an, dass russische Regierungsschiffe die Schattenflotten-Tanker eskortieren könnten. Ob das eine echte Drohung oder diplomatisches Getöse ist, bleibt abzuwarten, aber es erhöht zweifellos den Einsatz.

Eines ist klar: Die Ära des höflichen Zuschauens, wie sanktionierte Tanker durch britische Gewässer treiben, ist vorbei. Ob dies ein Wendepunkt beim Abwürgen russischer Öleinnahmen wird oder lediglich der erste Zug in einem viel längeren maritimen Schachspiel, es ist der mutigste Schritt, den das Vereinigte Königreich bisher unternommen hat.

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Written by

Daniel Benson

Writer, editor, and the entire staff of SignalDaily. Spent years in tech before deciding the news needed fewer press releases and more straight talk. Covers AI, technology, sport and world events — always with context, sometimes with sarcasm. No ads, no paywalls, no patience for clickbait. Based in the UK.