Ein Monat Bomben über Teheran: Der zivile Preis, über den niemand sprechen will
Einen Monat nach Beginn der US- und israelischen Angriffe auf den Iran sind uber 1.400 Zivilisten in Teheran gestorben, darunter 217 Kinder, ohne Sirenen oder Schutzraume.
Wenn 900-Kilo-Bomben in Wohnstrassen einschlagen
Es ist ein Monat vergangen, seit die Vereinigten Staaten und Israel koordinierte Militaroperationen gegen den Iran eingeleitet haben, und das Bild, das sich aus Teheran ergibt, ist, um es klar zu sagen, erschreckend. Operation Epic Fury und Operation Roaring Lion begannen am 28. Februar 2026 mit Namen, die wie abgelehnte Actionfilme klingen, aber fur Millionen gewohnlicher Menschen sehr reale Konsequenzen haben.
Laut der Human Rights Activists News Agency (HRANA), einer in den USA ansassigen Organisation, die Opferdaten uber Feldnetzwerke innerhalb des Irans zusammenstellt, wurden im ersten Monat allein rund 1.464 Zivilisten getotet. Darunter befinden sich mindestens 217 Kinder. Man sollte sich das einen Moment lang vergegenwartigen.
Der Resalat-Angriff: Eine Fallstudie in Verwustung
In der Nacht des 9. Marz traf ein israelischer Luftangriff ein Wohngebaude im Teheraner Stadtteil Resalat. Die IDF gab an, ein Basij-Militargebaude in derselben Strasse anzugreifen. Zwischen 40 und 50 Menschen wurden getotet. Militarexperten sagen, die Schaden seien vereinbar mit dem Einsatz einer Mark-84-Bombe, einem 900-Kilo-Sprengkorper, der ursprunglich dazu entwickelt wurde, gesicherte Militarziele zu zerstoren, nicht Wohnviertel.
Eine Analyse von BBC Eye legt nahe, dass mindestens vier Gebaude in rascher Folge zerstort wurden, wobei Strukturen in einer Entfernung von bis zu 65 Metern schwere Schaden erlitten haben sollen, auch wenn diese genauen Messungen ausserhalb der BBC-eigenen Berichterstattung nicht unabhangig verifiziert wurden.
Wer sich fragt, wie es aussieht, wenn eine Bombe, die Bunker knacken soll, in der Nahe eines Wohnblocks einschlagt, bekommt folgende Antwort: ungefahr so, wie man es erwarten wurde, und dann noch etwas mehr.
Die Zahlen steigen weiter
Das Ausmass der Luftkampagne ist erschutternd. Die IDF hat mehr als 12.000 Bomben uber dem gesamten Iran abgeworfen, davon rund 3.600 auf Teheran. Das US Central Command hat seinerseits mehr als 9.000 Ziele im ganzen Land angegriffen, eine Zahl, die laut CENTCOM-Chef Admiral Brad Cooper bereits bis zum 25. Marz auf uber 10.000 gestiegen war.
Am 1. Marz traf ein israelischer Angriff das Polizeiprasidium Abbasabad in der Nahe des Niloufar-Platzes wahrend des Ramadan und totete mindestens 20 Menschen. Das Timing blieb den Bewohnern nicht verborgen.
Keine Sirenen, keine Schutzraume, kein Plan
Vielleicht das erschreckendste Detail aus Berichten der Bewohner ist das vollstandige Fehlen jeglicher Zivilschutzinfrastruktur. Keine Sirenen. Keine Warnungen. Keine offentlichen Schutzraume. Keine Evakuierungshinweise. Mehrere Nachrichtenagenturen, darunter NBC News, haben Berichte bestatigt, wonach die Bevolkerung Teherans im Wesentlichen auf sich allein gestellt ist, wahrend Bomben fallen.
Im Iran gilt weiterhin eine Internetsperre, was eine unabhangige Uberprufung der Opferzahlen ausserordentlich schwierig macht und Millionen von Menschen von der Aussenwelt abschneidet. Die BBC, der der Zugang zum Iran selbst in ruhigeren Zeiten selten gewahrt wird, berichtet, dass ihr seit Kriegsbeginn der Eintritt ins Land verweigert wurde.
Das Gesamtbild ist nicht schoner
Dieser Konflikt ist nicht aus dem Nichts entstanden. Massive regierungskritische Proteste erschutterten den Iran von Dezember 2025 bis Januar 2026. Das Regime reagierte mit einer Repression, die Amnesty International, Human Rights Watch und NPR ausfuhrlich dokumentiert haben, wobei Tausende getotet wurden. Der Iran hat seinerseits auf die Angriffe reagiert, indem er zivile Infrastruktur in Golfstaaten angegriffen hat, darunter Flughafen und Hotels in den Vereinigten Arabischen Emiraten.
So sehen sich die Zivilisten Teherans zwischen einer Regierung gefangen, die ihre Proteste niederschlug, und auslandischen Machten, die Sprengkorper auf ihre Stadt regnen lassen. Das ist die Art von geopolitischem Dilemma, das niemand bestellt hat.
Die UN, Amnesty International und Human Rights Watch haben alle Bedenken hinsichtlich des Einsatzes schwerer Munition in dicht besiedelten Gebieten geaussert. Man darf vermuten, dass diese Bedenken zur Kenntnis genommen, abgelegt und hoflich ignoriert werden, wie es der Tradition entspricht.
Was unbestreitbar bleibt, ist folgendes: Gleichgultig, welche militarischen Ziele verfolgt werden, die Menschen, die in Teheran Kinder aus Trummern ziehen, haben sich fur nichts davon entschieden.
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