Ein entschlossener Buckelwal, zwei Bagger und eine sehr deutsche Rettungsaktion

Ein entschlossener Buckelwal, zwei Bagger und eine sehr deutsche Rettungsaktion

Eine Walgeschichte aus der Ostsee

Als sich ein junger männlicher Buckelwal letzten Montag (23. März 2026) auf einer Sandbank nahe Timmendorfer Strand festsetzte, löste er die Art von aufwendiger, mehrtägiger Rettungsaktion aus, die wohl nur Deutschland so orchestrieren kann. Bagger, Biologen, ein YouTuber im Neoprenanzug und Sea Shepherd rückten alle an. Der Wal seinerseits saß dabei größtenteils einfach nur da.

Das Tier, auf 10 bis 12 Meter Länge und rund 15 Tonnen geschätzt, wurde früh an jenem Montagmorgen erstmals gestrandet in den Flachwassern vor dem Niendorfer Bereich der Lübecker Bucht entdeckt. Es soll sich um denselben Buckelwal handeln, der Anfang März im Hafen von Wismar gesichtet wurde, wo Rettungskräfte ihn aus einem Fischernetz befreien mussten. Reste des Netzes wurden ihm später vor Travemünde vom Körper entfernt. Dieser Wal hat offensichtlich ein Talent dafür, in Schwierigkeiten zu geraten.

Der Einsatz der Bagger

Als der Wal bis Donnerstag noch immer hartnäckig auf Grund saß, verschärften die Rettungsteams ihr Vorgehen. Zwei Bagger wurden eingesetzt, um einen Kanal von etwa 50 Metern Länge, 6 Metern Breite und 1,2 Metern Tiefe auszuheben und dem Wal damit buchstäblich einen eigenen Fluchtweg zu bauen. Ein Schwimmbagger schloss sich den landgestützten Geräten an, denn halbe Maßnahmen standen offenbar nicht auf dem Programm.

Schwindende Hoffnung, als Retter versuchen, den gestrandeten Buckelwal an Deutschlands Ostseeküste wieder flottzumachen -- Euronews-Videobericht vom 24. März 2026, der die Rettungsversuche zeigt, einschließlich des Versuchs, den Wal mithilfe von Booten und Wellen flottzumachen. Zu sehen ist Dr. Stephanie Gross vom ITAW, die die Flachwasserbedingungen beschreibt.

Der Walflüsterer

Der Biologe und bekannte deutsche YouTuber Robert Marc Lehmann wählte einen sehr handfesten Ansatz: Er schnorchelte zum Wal hinaus und versuchte, ihn durch den frisch ausgehobenen Graben zu lotsen. Lehmann, der Teile der Rettungsaktion für sein beachtliches Publikum livestreamte, entwickelte dem Tier gegenüber angeblich eine echte Verbindung. Er behauptete, der Wal vertraue ihm und werde ruhig, wenn er berührt werde. Ob der Wal diese Einschätzung teilt, ist naturgemäß nicht bestätigt.

Die Natur half in der Nacht nach, als der Wasserspiegel um einen halben Meter anstieg und dem Buckelwal gerade genug Auftrieb gab, um sich schließlich von der Sandbank zu befreien. Am Freitagmorgen wurde der Wal etwa 300 Meter vor der Küste gesichtet, begleitet von mehreren Booten wie eine sehr große, sehr langsame VIP-Eskorte.

Noch nicht gerettet

Stephanie Gross vom Institut für terrestrische und aquatische Wildtierforschung (ITAW) bestätigte, dass der Wal die Sandbank verlassen hatte, mahnte jedoch zur Vorsicht vor zu frühem Jubel. Lehmann brachte es auf den Punkt: Die Freisetzung sei "noch keine Rettung, sondern nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung."

Und er hat Recht. Die Ostsee ist kein natürlicher Lebensraum für Buckelwale. Dieser junge Bulle muss noch durch dänische Gewässer navigieren, um die Nordsee und schließlich den offenen Atlantik zu erreichen, wo er eigentlich hingehört. Tierarzt Jan Herrmann bezeichnete die Ostsee als "Flaschenhals" ohne Garantie, dass der Wal den Ausgang findet. Man könnte es als die folgenreichste Falschabbiegung der Welt bezeichnen.

Was als Nächstes passiert

Die Rettungsteams, darunter Vertreter von Sea Shepherd, hoffen, dass der Wal weiter aus den Flachwassern der Lübecker Bucht hinaus in die offene See schwimmt. Doch Hoffnung und Buckelwale bewegen sich nicht immer in dieselbe Richtung. Vorerst richten sich alle Augen auf die Ostsee in der Erwartung, ob dieser verirrte Reisende endlich den Weg nach Hause findet.

Den Originalartikel lesen Sie bei der Quelle.

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Written by

Daniel Benson

Writer, editor, and the entire staff of SignalDaily. Spent years in tech before deciding the news needed fewer press releases and more straight talk. Covers AI, technology, sport and world events — always with context, sometimes with sarcasm. No ads, no paywalls, no patience for clickbait. Based in the UK.