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EasyJet übergibt 500 recycelte iPads an Schulkinder im Kampf gegen digitale Armut

EasyJet übergibt 500 recycelte iPads an benachteiligte Kinder in Großbritannien. Was steckt hinter der Tech4Takeoff-Initiative und was sagt das über digitale Armut im Land aus?

EasyJet übergibt 500 recycelte iPads an Schulkinder im Kampf gegen digitale Armut

Bordkarte für besseres Lernen

Hier ist ein Satz, den Sie wahrscheinlich nie zu lesen erwartet haben: Eine Fluggesellschaft, die vor allem dafür bekannt ist, extra für mehr Beinfreiheit zu verlangen, verschenkt jetzt iPads an Kinder, die sie für die Schule brauchen. Und ehrlich gesagt? Hut ab.

EasyJet hat 500 iPads im Wert von rund 150.000 Pfund an benachteiligte Kinder in ganz Großbritannien gespendet - im Rahmen einer neuen Initiative namens Tech4Takeoff. Die Geräte wurden zuvor von den Piloten und dem Kabinenpersonal der Fluggesellschaft genutzt, was bedeutet, dass diese Tablets mehr von Europa gesehen haben als die meisten von uns je werden. Jetzt bekommen sie ein zweites Leben in den Händen junger Menschen, die sonst vom digitalen Lernen vollständig ausgeschlossen wären.

Die Zahlen hinter dem Problem

Die Spende geht auf eine Umfrage zurück, die easyJet im Oktober 2025 in Auftrag gegeben hat und bei der 2.000 Eltern von Kindern im Alter von 4 bis 16 Jahren befragt wurden. Die Ergebnisse zeichnen ein ziemlich düsteres Bild:

  • 46 % der Eltern machen sich Sorgen, ihren Kindern ausreichenden Zugang zu Technologie zu ermöglichen
  • 41 % nennen die Gerätekosten als direkte Hürde
  • 77 % glauben, dass ein Mangel an Technologie das Lernen ihres Kindes einschränkt
  • 93 % sind sich einig, dass Technologiezugang die Lernfähigkeit verbessert
  • 62 % finden, dass Schulen mehr tun sollten, um Geräte bereitzustellen

Es ist wichtig zu beachten, dass diese Statistiken aus einer von der Branche finanzierten Umfrage stammen und nicht aus unabhängiger Forschung - also mit Vorsicht zu genießen. Das größere Bild wird jedoch durch die Digital Poverty Alliance (DPA) bestätigt, die schätzt, dass jedes 5. Kind in Großbritannien digital ausgeschlossen ist und dass rund 19 Millionen Menschen im ganzen Land irgendeine Form von digitalem Ausschluss erleben. Der eigene Tech4Families-Bericht der DPA ergab sogar, dass 86 % der Eltern sich keine Geräte leisten können - was darauf hindeutet, dass das Problem noch schlimmer sein könnte, als die Schlagzahlen vermuten lassen.

Wohin die iPads gehen

EasyJet hat sich mit der Digital Poverty Alliance zusammengetan, um die Geräte an Familien in der Nähe seiner britischen Standorte zu verteilen, darunter Luton, Gatwick und Newcastle. Das ist eine clevere Zielgruppenansprache: Fokus auf Gemeinschaften, in denen die Fluggesellschaft bereits präsent ist und wo der Bedarf nachweislich real ist.

Die Fluggesellschaft hat auch die Charter for Digital Inclusion der DPA unterzeichnet und sich verpflichtet, im Rahmen zukünftiger iPad-Erneuerungszyklen weitere Spenden zu leisten. Das ist also kein einmaliger PR-Gag mit einer Pressemitteilung und einem Fototermin. Es gibt eine Pipeline von Geräten, die kommen, wenn die Technologie der Flotte aufgefrischt wird - was routinemäßige Unternehmens-Hardware-Upgrades in etwas wirklich Nützliches verwandelt.

Ein kluger Schachzug, aber das Problem liegt tiefer

Seien wir ehrlich: 500 iPads, so willkommen sie auch sind, kratzen kaum an der Oberfläche, wenn Millionen von Kindern keinen angemessenen Zugang zu Technologie haben. Das Ziel der DPA ist es, digitale Armut bis 2030 zu beenden - und dafür braucht es weit mehr als recycelte Fluggesellschafts-Tablets. Es erfordert nachhaltige Investitionen von Regierung, Schulen und dem Privatsektor, die gemeinsam handeln.

Aber Anerkennung, wo sie verdient ist. EasyJet hat einen Weg gefunden, Hardware, die sonst in einem Lager verstauben würde (oder schlimmer noch, auf einer Mülldeponie landet), wiederzuverwerten und sie an Kinder weiterzugeben, die sie wirklich brauchen. Das ist gut für die Umwelt, gut für die Kinder und ja, gut für das Markenimage von easyJet. Alle gewinnen.

Die größere Frage

Was diese Geschichte wirklich verdeutlicht, ist, wie weit Großbritannien beim Thema digitale Inklusion noch hinterherhinkt. Wir leben in einem Land, in dem Hausaufgaben zunehmend Internetzugang und ein funktionierendes Gerät erfordern, und dennoch kann ein erheblicher Teil der Familien das schlicht nicht bereitstellen. Wenn sich fast die Hälfte der Eltern Sorgen macht, ob ihre Kinder die nötigen Werkzeuge haben, um in der Schule mitzuhalten, ist etwas grundlegend kaputt.

Ob es nun Fluggesellschaften sind, die alte iPads spenden, oder Gemeinden, die Geräteverleihbibliotheken einrichten - diese Initiativen sind wichtig. Aber sie sind Pflaster auf einer viel größeren Wunde. Solange digitaler Zugang nicht als wesentliche Infrastruktur behandelt wird - wie Strom oder fließendes Wasser - werden solche Geschichten immer wieder auftauchen.

Dennoch ist es für die 500 Familien, die diesen Monat ein Gerät erhalten, ein wirklich bedeutsamer Schub. Diese iPads haben ihre frühen Jahre vielleicht in 10.000 Metern Höhe verbracht - aber ihre wichtigste Reise beginnt jetzt erst.

Den Originalartikel lesen Sie bei der Quelle.

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Written by

Daniel Benson

Writer, editor, and the entire staff of SignalDaily. Spent years in tech before deciding the news needed fewer press releases and more straight talk. Covers AI, technology, sport and world events — always with context, sometimes with sarcasm. No ads, no paywalls, no patience for clickbait. Based in the UK.