Die UN hat gerade über Wiedergutmachung für Sklaverei abgestimmt. Jetzt kommt der schwierige Teil.
Die UN-Generalversammlung hat mit 123 zu 3 Stimmen für Wiedergutmachungen für den transatlantischen Sklavenhandel gestimmt. Was bedeutet das und was kommt als Nächstes?
Eine historische Abstimmung mit sehr komplizierter Nachgeschichte
Am 25. März 2026 tat die Generalversammlung der Vereinten Nationen etwas Bemerkenswertes: Sie verabschiedete eine Resolution, die den transatlantischen Sklavenhandel zum schwersten Verbrechen gegen die Menschlichkeit erklärte, und forderte Nationen, die davon profitierten, zur Zahlung von Wiedergutmachungen auf. Die Abstimmung ergab 123 Stimmen dafür, 3 dagegen und 52 Enthaltungen. Wer sich fragt, welche drei Länder mit Nein stimmten: Es waren die Vereinigten Staaten, Argentinien und Israel. Das Vereinigte Königreich und alle 27 EU-Mitgliedstaaten entschieden sich für das diplomatische Äquivalent des auf-die-Schuhe-Schauens und Schweigens.
Die Resolution, deren Zeitpunkt mit dem Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer der Sklaverei zusammenfiel, ist nicht bindend. Das ist die höfliche Art zu sagen, dass niemand tatsächlich etwas tun muss. Politisch gesehen hat sie jedoch Gewicht. Afrikanische und karibische Nationen haben jahrzehntelang auf diesen Moment hingearbeitet, und 123 Stimmen sind keine Zahl, die man einfach so abtun kann.
Die Zahlen, die Finanzministerien nervös machen
Zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert wurden schätzungsweise 12 bis 15 Millionen afrikanische Männer, Frauen und Kinder gefangen genommen und in die Amerika verschleppt. Rund zwei Millionen überlebten die Überfahrt nicht. Brasilien allein empfing etwa 4,9 Millionen versklavte Menschen und war damit das bei weitem größte Zielland des Handels.
Wie hoch ist also die Rechnung? Nun, das hängt davon ab, wer die Rechnung aufmacht. Im Jahr 2023 legte die Caricom Reparations Commission eine Studie vor, die besagte, dass 15 karibische Nationen mindestens 33 Billionen US-Dollar schulden. Richter Patrick Robinson vom Internationalen Gerichtshof beauftragte einen separaten Bericht der Unternehmensberatung Brattle Group, der zu einer noch schwindelerregenderen Zahl kam: 107 Billionen US-Dollar, die von 31 Ländern geschuldet werden. Zum Vergleich: Der gesamte US-Bundeshaushalt für 2025 betrug 7,1 Billionen US-Dollar. Wir sprechen also von ungefähr dem 15-fachen dieses Betrags, einer Zahl, die Finanzminister ein plötzliches Interesse an Frühpensionierung entwickeln lässt.
Das Problem mit dem Präzedenzfall
Wiedergutmachungen sind nicht ohne Präzedenzfall. Deutschland hat seit 1952 mehr als 80 Milliarden US-Dollar an jüdische Opfer des NS-Regimes gezahlt, ein Programm, das bis heute andauert. Die Niederlande entschuldigten sich 2022 für ihre Rolle in der Sklaverei und richteten einen Fonds von rund 230 Millionen US-Dollar ein. Diese Beispiele zeigen, dass Wiedergutmachungen in der Praxis funktionieren können, obwohl der für den transatlantischen Sklavenhandel diskutierte Umfang in einer völlig anderen Dimension liegt.
Dann ist da noch das Vereinigte Königreich, das durchaus Erfahrung mit der Zahlung von Wiedergutmachungen für Sklaverei hat, nur nicht an die Personen, die man erwarten würde. Nach der Abschaffung der Sklaverei in den 1830er Jahren entschädigte die britische Regierung Sklavenhalter mit einem Betrag, der heute mehr als 21 Milliarden US-Dollar entsprechen würde. Die versklavten Menschen selbst erhielten nichts. Es ist eines jener historischen Details, das irgendwie schlimmer wird, je länger man darüber nachdenkt.
Worte sind billig. Geld nicht.
Westliche Nationen haben im Allgemeinen den Weg der Entschuldigung dem des Scheckbuchs vorgezogen. Tony Blair sagte 2007, er bedauere Britanniens Rolle im Sklavenhandel, obwohl Kritiker bemerkten, dass dies deutlich hinter einer formellen Staatsentschuldigung zurückblieb. Barack Obama sagte Ta-Nehisi Coates 2016, dass Wiedergutmachungen politisch nicht umsetzbar seien. Und der britische Außenminister David Lammy erklärte bei einem Besuch in Nigeria im November 2024, dass es bei Wiedergutmachungen "nicht um die Übertragung von Bargeld" gehe.
Der stellvertretende US-Botschafter Dan Negrea lehnte die Resolution grundsätzlich ab und argumentierte, sie schaffe eine Hierarchie von Menschenrechtsverletzungen. Die Enthaltung der EU deutete auf einen Block hin, der das moralische Gewicht des Arguments anerkennt, aber noch nicht bereit ist, sein Portemonnaie zu öffnen.
Was kommt als Nächstes?
Realistisch betrachtet sollte man keine Schecks per Post erwarten. Nicht bindende Resolutionen erzwingen keine Maßnahmen, und die diskutierten Summen sind so groß, dass sie fast abstrakt wirken. Aber die Abstimmung verschiebt die Diskussion. Sie setzt Wiedergutmachungsgerechtigkeit fest auf die internationale Agenda und macht es für ehemalige Kolonialmächte schwieriger, das Thema als abgeschlossene Geschichte zu behandeln. Die Resolution fordert auch die Rückgabe von Kulturgütern und Archiven an ihre Herkunftsländer, was eine weitere Komplexitätsebene hinzufügt.
UN-Hochkommissar Volker Türk erklärte im September 2025, dass Wiedergutmachungsgerechtigkeit Reparationen in verschiedenen Formen umfassen müsse. Ob das direkte Zahlungen, Entwicklungsfonds, Schuldenentlastung oder etwas ganz anderes bedeutet, bleibt eine offene und sehr kostspielige Frage.
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