Chelseas freier Fall: Wie Roseniors Blues von Pokalsiegern zum Krisenclub wurden
Vom Triumph in der Conference League zur Demütigung in der Champions League
Hätte man Chelsea-Fans zu Beginn des Jahres 2026 gesagt, dass ihre Klub-Weltmeister und Conference-League-Sieger bis März in eine ausgewachsene Krise schlittern würden, hätten sie einen an der Stamford Bridge ausgelacht. Heute lacht niemand mehr.
Die 0:3 Klatsche im Everton-Stadion am 21. März krönt die wohl schlimmsten zehn Tage der jüngeren Chelsea-Geschichte. Beto traf doppelt (33., 62.), bevor Ilman Ndiaye in der 76. Minute das Messer in der Wunde umdrehte. Die Niederlage war absolut verdient und Chelsea hatte keinerlei Antworten parat.
Die Zahlen lesen sich düster
Setzen wir diesen Zusammenbruch in Kontext. Chelsea steht in der Premier League mit 48 Punkten aus 30 Spielen auf dem sechsten Platz. Sie sind zwar nur einen Punkt von den Champions-League-Rängen entfernt, bewegen sich aber in die völlig falsche Richtung. In drei aufeinanderfolgenden Spielen haben sie kein Tor erzielt, trotz 52 Schüssen, von denen 16 aufs Tor gingen. Das Ergebnis: absolut nichts.
Dann ist da noch das Champions-League-Aus, das diesen Kader noch Jahre verfolgen wird. PSG, zugegeben der Titelverteidiger, nahm Chelsea im Achtelfinale mit einem Gesamtergebnis von 8:2 auseinander. Das ist kein Tippfehler. 5:2 im Hinspiel, 3:0 im Rückspiel. Es entspricht Chelseas höchster europäischer Niederlage nach Hin- und Rückspiel, gleichauf mit dem 1:7 Debakel gegen Bayern München in der Saison 2019/20. Kvaratskhelia, Barcola und Mayulu trafen im Rückspiel, das nur 35.811 Zuschauer an der Bridge verfolgten. Die leeren Sitze sprechen für sich.
Der Maresca-Kater
Vieles davon lässt sich auf den bitteren Abgang von Enzo Maresca im Januar zurückführen. Der Italiener ist nicht einfach weitergezogen. Er verzichtete auf eine Abfindung von angeblich 14 Millionen Pfund, nachdem er sich mit den Eigentümern über medizinische Streitigkeiten, die Transferpolitik und das aus seiner Sicht übermäßige Einmischen der Führungsetage überworfen hatte. Wenn ein Trainer lieber auf Millionen verzichtet, als zu bleiben, sagt das alles über den Zustand des Vereins hinter den Kulissen aus.
Enzo Fernandez drückte es unverblümt aus und sagte, Chelsea habe seit Marescas Abgang seine "Identität, Struktur und Ausrichtung" verloren. Da dies von einem der wichtigsten Spieler des Kaders kommt, haben diese Worte großes Gewicht. Berichten zufolge könnte Fernandez einen Wechsel anstreben, sollte Chelsea die Qualifikation für die Champions League komplett verpassen.
Rosenior: Der falsche Mann zur falschen Zeit?
Liam Rosenior kam am 6. Januar von Straßburg mit einem Vertrag bis 2032, denn Chelsea liebt langfristige Verträge. Er hat angeblich fünf seiner zehn Premier-League-Spiele gewonnen und 17 Punkte geholt, was isoliert betrachtet nicht katastrophal ist. Aber die Tendenz ist alarmierend.
Laut BBC-Daten wurde Chelsea in dieser Saison in jedem Spiel von jedem Premier-League-Gegner überlaufen. Der Verein hat zudem angeblich 99 Auswechslungen in der Liga vorgenommen, mehr als jedes andere Team. Ständige Rotation ohne kohärente Identität ist keine taktische Philosophie. Es ist Panik mit einem Klemmbrett.
Erschwerend kommt hinzu, dass Chelseas Aufstellungen vor beiden PSG-Spielen an die Medien durchgestochen wurden. Rosenior bestätigte, dass die Quelle identifiziert und intern behandelt wurde, wobei er anmerkte, dass die Person nicht mit böser Absicht gehandelt habe. Dennoch ist es ein weiteres Zeichen für einen Verein, bei dem Disziplin und Vertrauen Mangelware sind.
Probleme abseits des Platzes häufen sich
Der Fußball ist nur ein Teil des Bildes. Chelsea ist mit einer Geldstrafe von 10,75 Millionen Pfund belegt und hat eine ausgesetzte einjährige Transfersperre wegen geheimer Zahlungen während der Abramovich-Ära. Sie haben den größten Jahresverlust verzeichnet, den ein englischer Verein jemals gemacht hat. 23 Spieler stehen bis 2030 oder länger unter Vertrag, was einen aufgeblähten und teuren Kader schafft, der extrem schwer umzubauen ist.
Berichte über das Heimweh von Cole Palmer, während Manchester United Interesse zeigt, kombiniert mit der öffentlichen Frustration von Fernandez, deuten darauf hin, dass die Kabine weit davon entfernt ist, eine Einheit zu sein. Ein Fan-Protest an der Stamford Bridge soll bereits geplant sein.
Das Urteil
Trotz alledem deuten Berichte darauf hin, dass Chelseas Vorstand keine unmittelbaren Pläne hat, Rosenior zu entlassen, teilweise weil sie ihn gerade erst eingestellt haben. Das mag die vernünftigste Entscheidung sein, die die Eigentümergruppe seit Monaten getroffen hat. Aber die Länderspielpause muss klug genutzt werden. Dieser Kader hat unter Maresca Titel gewonnen. Das Talent ist da. Was fehlt, ist Kohärenz, Selbstvertrauen und, offen gesagt, jemand in der Führungsebene, der versteht, dass Fußballvereine nicht wie Aktienportfolios geführt werden können.
Chelsea ist nicht am Ende. Aber sie sind näher an einer echten Krise, als irgendjemand an der Stamford Bridge zugeben möchte.
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