Chagos-Deal auf Eis: Trump stoppt Britanniens Insel-Tausch
Grossbritannien kann den Chagos-Vertrag mit Mauritius nicht umsetzen, weil Trump sein Veto eingelegt hat. Was steckt hinter dem Streit um Diego Garcia und was passiert als Nächstes?
Grossbritanniens Plan, die Chagos-Inseln an Mauritius zurückzugeben, wurde still und leise in die politische Schublade mit der Aufschrift 'später erledigen' geschoben. Aussenminister Stephen Doughty bestätigte diese Woche im Unterhaus, dass die zur Ratifizierung des Abkommens erforderliche Gesetzgebung in dieser Parlamentssitzung nicht weiter vorangetrieben wird - dank eines recht lauten Einspruchs von einem gewissen Donald J. Trump.
Was tatsächlich geschah
Der am 22. Mai 2025 von Grossbritannien und Mauritius unterzeichnete Vertrag sieht vor, dass Grossbritannien die Souveränität über die Chagos-Inseln abtritt und im Gegenzug den strategisch wichtigen Militärstützpunkt Diego Garcia für 99 Jahre zurückpachtet. Der Preis? Durchschnittlich 101 Millionen Pfund pro Jahr, was einem Barwert von insgesamt 3,4 Milliarden Pfund entspricht. Kritiker, darunter die Konservativen, bevorzugen die noch schwindelerregendere Zahl von 35 Milliarden Pfund - das sind die nominalen Gesamtkosten über die vollen 99 Jahre unter Berücksichtigung der Inflation. Beide Zahlen sind technisch korrekt. Sie messen nur unterschiedliche Dinge - ähnlich wie die Frage, ob ein Glas halb voll ist oder einen Fünfer kostet.
Auftritt Trump, von rechts
Das Problem ist, dass der Deal eine Aktualisierung der britisch-amerikanischen Vereinbarung von 1966 erfordert, die die amerikanische Nutzung von Diego Garcia regelt. Dafür ist Washingtons Zustimmung nötig. Washington segnet derzeit nicht viel ab.
Im Januar 2026 bezeichnete Trump das Abkommen als 'Akt totaler Schwäche'. Im Februar steigerte er sich zu einem Truth-Social-Post in Grossbuchstaben, in dem er Grossbritannien forderte, 'DIEGO GARCIA NICHT AUFZUGEBEN', und andeutete, der Stützpunkt könnte bald für Operationen gegen den Iran benötigt werden. Subtil war das nicht.
Der frühere leitende Beamte des Aussenministeriums, Simon McDonald, fasste es im BBC Radio treffend zusammen: Der Deal befinde sich derzeit 'im Tiefkühlschrank'. Ganz genau.
Warum das Parlament die Hände in den Schoss legt
Doughty teilte den Abgeordneten mit, dass der Chagos-Gesetzentwurf nicht zu den Gesetzen gehören wird, die in die nächste Parlamentssitzung übertragen werden, die am 13. Mai 2026 beginnt. An Mauritius wurden keine Zahlungen geleistet, und es werden auch keine geleistet, solange die Pause andauert. In der Praxis existiert der Vertrag auf dem Papier, kann aber erst dann wirksam werden, wenn die Amerikaner mitspielen.
Das bringt die Minister in eine unangenehme Lage. Sie haben den Vertrag unterzeichnet. Sie haben ihn verteidigt. Jetzt können sie ihn nicht umsetzen, ohne das Ja-Wort aus dem Weissen Haus zu bekommen - und das Weisse Haus sagt derzeit in Grossbuchstaben Nein.
Warum das über Westminster hinaus wichtig ist
Für alle, die sich fragen, warum eine Handvoll Atolle im Indischen Ozean die Schlagzeilen dominiert: Die Antwort ist dreifach. Erstens ist Diego Garcia einer der wichtigsten US-Militärstützpunkte ausserhalb amerikanischen Bodens, der für Operationen im Nahen Osten und in Asien genutzt wird. Zweitens sollte der Deal einen jahrzehntealten Rechtsstreit über Grossbritanniens postkoloniales Verhalten beilegen, den internationale Gerichte wiederholt kritisiert haben. Drittens ist es ein lehrreiches Beispiel dafür, wie eine amerikanische Wahl einen jahrelang vorbereiteten aussenpolitischen Plan neu gestalten kann.
Es gibt auch eine regionale Komponente: Die Malediven sollen London im März 2026 mitgeteilt haben, dass sie den Deal nicht anerkennen - eine weitere Komplikation in einem ohnehin schon verworrenen Bild.
Was als Nächstes passiert
Nichts Schnelles. Der Vertrag ist nicht tot, aber er schlummert. Solange Trump seine Meinung nicht ändert oder eine künftige US-Regierung eine andere Haltung einnimmt, bleibt der Gesetzentwurf auf Eis. Sir Keir Starmers Regierung besteht darauf, weiterhin zum Abkommen zu stehen - wobei 'stehen' einem 'feststecken' sehr ähnelt, wenn die Gegenseite nicht ans Telefon geht.
Vorerst bleiben die Chagos-Inseln auf der Landkarte britisch, im Vertrag mauritisch und in der Praxis fest amerikanisch.
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