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BYDs 5-Minuten-Ladegerät lässt Benzinzapfsäulen wie aus der Steinzeit wirken

BYDs neues Flash Charger lädt E-Autos in fünf Minuten auf 70 %. Wir analysieren die Technik, die Einschränkungen und was das für den Markt bedeutet.

BYDs 5-Minuten-Ladegerät lässt Benzinzapfsäulen wie aus der Steinzeit wirken

BYD hat den Kaffeestopp an der Tankstelle gerade überflüssig gemacht. Das Flash Charger der zweiten Generation des chinesischen Autoherstellers pumpt beeindruckende 1.500 kW Spitzenleistung, genug, um ein kompatibles Elektroauto in nur fünf Minuten von 10 % auf 70 % zu laden. Das ist in etwa die Zeit, die man braucht, um sich mit einem Selbstbedienungskassen-Automaten zu streiten.

Die Zahlen, die wirklich zählen

Das am 5. März 2026 eingeführte Flash Charging System der zweiten Generation von BYD kombiniert eine 1.000-Volt-Architektur mit 1.500 Ampere Stromstärke. Das Hauptversprechen sind etwa 400 km Reichweite in fünf Minuten. Praxistests mit dem BYD Seal 07 übertrafen die offiziellen Zahlen sogar: Der Ladevorgang von 10 % auf 70 % dauerte 4 Minuten und 51 Sekunden, von 10 % auf 97 % nur 8 Minuten und 44 Sekunden.

Zum Vergleich: Das ist etwa dreimal schneller als Teslas V4 Supercharger, der bei etwa 500 kW seinen Höhepunkt erreicht. BYD zieht hier nicht nur ein wenig vorbei, sondern deklassiert das gesamte Feld.

Ein Hinweis für Leser in Großbritannien: Diese Reichweitenangabe von 400 km basiert fast sicher auf dem chinesischen CLTC-Teststandard, der dazu neigt, 15 bis 25 % großzügiger zu sein als der bei uns übliche WLTP-Standard. Realistisch gesehen sollten Sie eher mit 300 bis 340 km (186 bis 211 Meilen) in fünf Minuten rechnen. Immer noch extrem beeindruckend, aber man sollte die Erwartungen auf dem Boden halten.

Minus 30 Grad? Kein Problem

Einer der erstaunlichsten Punkte ist die Leistung bei kaltem Wetter. BYD gibt an, dass das System bei minus 30 Grad Celsius eine Ladung von 20 % auf 97 % in nur 12 Minuten schafft, also nur drei Minuten langsamer als bei Raumtemperatur. Wenn sich das in der Praxis bewahrheitet, löst es eines der größten Ärgernisse bei Elektroautos: die Reichweitenangst im Winter. Jeder, der schon einmal an einem Januarmorgen zusehen musste, wie der Akkustand in den Keller stürzt, wird die Bedeutung zu schätzen wissen.

Der Haken (es gibt immer einen Haken)

Bevor Sie Platz in der Einfahrt schaffen, ein paar Einschränkungen. Flash Charging ist ein geschlossenes Ökosystem. Sie benötigen sowohl ein Fahrzeug mit BYDs Blade Battery 2.0 als auch ein BYD Flash Charger, um diese Geschwindigkeiten zu erreichen. Wenn Sie an ein Standard-CCS-Ladegerät anschließen, warten Sie deutlich länger. Denken Sie an die Bindung an Tesla Supercharger, nur mit zusätzlichen Schritten.

BYD baut die Infrastruktur in hohem Tempo aus: In China sind bereits 4.239 Flash Charging Stationen in Betrieb, bis Ende 2026 sollen es 20.000 sein. Die Stationen sind wie Tankstellen konzipiert, mit T-förmigen Überkopf-Türmen und einem Schienensystem für die Kabel. Der Ladestecker wiegt nur 2 kg, also kein Ringen mehr mit armdicken Kabeln.

Wann kommt das nach Großbritannien?

Die Markteinführung in Europa beginnt am 8. April 2026 mit der Vorstellung des Denza Z9GT im Pariser Palais Garnier. Das Fahrzeug soll laut CLTC-Test über 1.000 km mit einer einzigen Ladung schaffen. Es wurden noch keine spezifischen Preise oder Zeitpläne für Großbritannien bestätigt, also ist Geduld gefragt.

In China versüßt BYD das Angebot mit 18 Monaten kostenlosem Flash Charging für Neukäufer. Der Seal 07 startet bei etwa 169.900 Yuan (ca. 24.600 $). Ob solche Preise nach dem Import nach Großbritannien inklusive Zoll und Mehrwertsteuer bestehen bleiben, bleibt eine offene Frage.

Das große Ganze

BYD ist in diesem Rennen nicht allein. Zeekr und möglicherweise Mercedes-Benz entwickeln ähnliche ultraschnelle Ladelösungen, und mindestens ein Konkurrent hat bereits Hardware mit 1.500 kW angekündigt. Die Netzbelastung ist bei diesen Leistungsstufen ein echtes Problem, wobei BYD jedoch Batteriespeicher an den Stationen nutzt, um die Nachfrage abzufedern.

Dennoch: Ehre, wem Ehre gebührt. BYD-Gründer Wang Chuanfu wollte das Laden von Elektroautos so schnell machen wie das Tanken von Benzin, und sein Unternehmen ist diesem Versprechen unangenehm nahe gekommen. Für britische Käufer funktioniert die Technologie zweifellos. Die einzige Frage ist, wie lange wir noch vom Spielfeldrand zusehen, bevor sie endlich hier ankommt.

Lesen Sie den Originalartikel bei Wired.

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Written by

Daniel Benson

Writer, editor, and the entire staff of SignalDaily. Spent years in tech before deciding the news needed fewer press releases and more straight talk. Covers AI, technology, sport and world events — always with context, sometimes with sarcasm. No ads, no paywalls, no patience for clickbait. Based in the UK.