Britischer Tennis im Tief: Norrie, Boulter und Jones scheitern alle bei den Miami Open
Ein Komplettausfall, den niemand wollte
Das ging schnell. Britanniens Hoffnungen im Einzel bei den Miami Open 2026 sind vollständig erloschen: Cameron Norrie, Katie Boulter und Francesca Jones schieden allesamt in derselben Runde aus. Wer auf einen tiefen britischen Lauf im Sonnenschein Floridas gehofft hatte, muss sich leider mit dem Doppel begnügen.
Norries Achterbahnfahrt endet mit Herzschmerz
Cameron Norrie, an Nummer 23 gesetzt und frisch gekürter britischer Nummer eins (er hat den Spitzenplatz von Jack Draper erst vor wenigen Tagen nach dem Indian-Wells-Ranking-Update vom 16. März zurückerobert), unterlag dem 21-jährigen Amerikaner Alex Michelsen mit 7:5, 6:7 (4:7), 6:4 in einem zermürbenden Zweitrundenmatch, das 2 Stunden und 44 Minuten dauerte.
Es war die Art von Match, die einen alt aussehen lässt. Norrie wirkte anfangs noch recht komfortabel, verlor aber im 12. Spiel des ersten Satzes seinen Aufschlag und bescherte Michelsen damit den Vorteil. Respekt an Norrie, der den zweiten Satz im Tiebreak noch erkämpfte, doch im entscheidenden Satz verspielte er seine Chancen genau dann, als es am meisten zählte.
Das Timing tut weh. Norrie war nach seinem Viertelfinale in Indian Wells mit einem Selbstvertrauen-Schub unterwegs, und bei nur 43 Punkten Abstand zu Draper in der Weltrangliste zählt jedes Ergebnis. Dieses hier zählt leider gegen ihn.
Boulters verbesserte Leistung reicht knapp nicht
Katie Boulter bot eine kämpferischere Vorstellung, als das Ergebnis vermuten lässt, unterlag aber letztlich der 13. Gesetzten Karolina Muchova mit 6:3, 7:5 in der dritten Runde. Das Match dauerte 1 Stunde und 32 Minuten, und das Erreichen dieser Runde war für Boulter durchaus ein Meilenstein: Es war ihr erster Einzug in die dritte Runde eines WTA-1000-Turniers seit mehr als einem Jahr.
Der erste Satz war eine Tortur. Boulter gewann nur 40 % der Punkte auf ihren ersten Aufschlag (4 von 10), was gegen jemanden von Muchovas Qualität schlicht zu wenig ist. Im zweiten Satz zeigte sie echten Kampfgeist und verbesserte diese Quote auf respektable 71 % (17 von 24), doch letztendlich setzte sich Muchovas Klasse durch.
Dennoch gibt es Positives zu mitnehmen. Boulter, aktuell auf Weltranglistenplatz 67, zeigt Aufwärtstendenz. Sie muss nur ihr Niveau aus dem zweiten Satz von Anfang an abrufen.
Jones' Krankheit beendet einen Märchenlauf vorzeitig
Das vielleicht enttäuschendste Ausscheiden gehörte Francesca Jones, die beim Stand von 6:1, 3:0 gegen die an Nummer 5 gesetzte Jessica Pegula krankheitsbedingt aufgeben musste. Jones hatte in der ersten Runde mit einem mutigen 7:5, 7:5-Sieg über Venus Williams für Aufsehen gesorgt, was ihren Rückzug umso frustrierender macht.
Jones war erfrischend ehrlich über die Situation und sagte: "Man muss eine 10 von 10 sein, um gegen sie zu bestehen, und ich bin heute wahrscheinlich eine vier von zehn." Gegen dieses Maß an Selbstreflexion lässt sich kaum etwas einwenden. Gegen eine Top-5-Gesetzte reicht alles unter dem eigenen Besten schlicht nicht aus.
Was nun fur den britischen Tennis?
Nachdem die Hoffnungen im Einzel erloschen sind, verlagert sich das britische Interesse in Miami vollständig auf das Doppel. Olivia Nicholls, Henry Patten, Luke Johnson, Neal Skupski, Julian Cash und Lloyd Glasspool sind alle noch im Tableau, also gibt es weiterhin etwas zu verfolgen.
Für Norrie geht es darum, den hauchdünnen Vorsprung über Draper in der britischen Rangliste zu verteidigen. Für Boulter darum, auf einem Lauf aufzubauen, der echte Fortschritte gezeigt hat. Und für Jones schlicht darum, gesund zu werden und das Selbstvertrauen aus dem Williams-Sieg in ihr nächstes Turnier mitzunehmen.
Nicht die Woche, die sich britische Tennisfans erhofft hatten, aber auch keine Katastrophe. Manchmal ist Miami eben nicht die eigene Stadt.
Den Originalartikel lesen Sie bei der Quelle.

No comments yet. Be the first to share your thoughts.