Britanniens Iran-Balanceakt: Nicht ganz im Krieg, nicht ganz im Frieden
Das Vereinigte Königreich lehnt eine Teilnahme an der US-israelischen Offensive gegen den Iran ab. Doch mit Basiszugang, Drohnenabfang und Trumps Zorn ist die Lage komplexer als gedacht.
Starmer balanciert auf dünnem Seil, während Trump den Druck erhöht
Wer schon einmal versucht hat, bei einem Abendessen neutral zu bleiben, während zwei Gäste offen streiten, hat eine Vorstellung von Keir Starmers aktueller Zwickmühle. Der britische Premierminister hat unmissverständlich erklärt, dass sich Großbritannien der US-israelischen Offensive gegen den Iran nicht anschließen wird. Was ihm jedoch nicht ganz gelungen ist, ist, völlig aus der Küche zu bleiben.
Wie es dazu kam
Der Konflikt begann am 28. Februar 2026 mit gemeinsamen US-israelischen Luftangriffen auf den Iran, einer Operation, die auch die Ermordung des Obersten Führers Ali Chamenei umfasste. Seitdem hat sich die Lage in einem atemberaubenden Tempo zugespitzt. Donald Trump hat eine Reihe zunehmend feindseliger Warnungen an Verbündete gerichtet, indem er Nationen aufforderte, 'zur Straße zu gehen und einfach Öl' aus dem umstrittenen Nadelöhr Hormus zu 'nehmen', während er auch warnte, dass 'die USA euch nicht mehr helfen werden'.
Heitere Aussichten.
Der 'es ist kompliziert'-Status des Vereinigten Königreichs
Starmer erklärte dem Parlament unmissverständlich: 'Wir beteiligen uns nicht an den offensiven Angriffen der USA und Israels. Das ist nicht unser Krieg.' Und Umfragen deuten darauf hin, dass die britische Öffentlichkeit weitgehend zustimmt. Laut einer Analyse von Chatham House vom März 2026 lehnen 59 % der britischen Wähler den Iran-Konflikt ab, während eine Survation-Umfrage unter 1.045 britischen Erwachsenen ergab, dass 43 % den Krieg als 'nicht gerechtfertigt' ansahen.
Doch die Realität ist komplizierter als die Schlagzeile. Hier wird es interessant:
Zugang zu Stützpunkten: Starmer verweigerte den USA zunächst am 28. Februar den Zugang zu britischen Militärstützpunkten, eine Entscheidung, der 56 % der Öffentlichkeit zustimmten. Am 1. März bestätigte das britische Verteidigungsministerium jedoch, dass RAF Fairford und Diego Garcia für 'begrenzte Verteidigungszwecke' zur Verfügung stünden.
Drohnenabfangungen: Britische Jets, die von RAF Akrotiri und Al Udeid aus operieren, haben iranische Drohnen über verbündeten Ländern wie Katar, Irak und Jordanien abgefangen.
Diplomatische Initiative: Starmer veranstaltet derzeit 35-Nationen-Gespräche zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus, und zwar bewusst ohne US-Beteiligung.
Technisch gesehen befindet sich Großbritannien also nicht im Krieg. Es stellt lediglich seine Luftwaffenstützpunkte zur Verfügung, schießt Drohnen ab und betreibt seine eigene parallele Diplomatie. Eine Meisterklasse in kreativer Mehrdeutigkeit oder eine Position, die nicht ewig halten kann. Sie haben die Wahl.
Trump ist nicht begeistert
Der ehemalige und aktuelle US-Präsident hat seine Meinung zu Starmers Zögerlichkeit unmissverständlich klargestellt. Trump erklärte, 'wir haben es hier nicht mit Winston Churchill zu tun', was eine Beleidigung ist, die je nach Seite des Atlantiks unterschiedlich ankommt. Er ging noch weiter, indem er einen Saturday Night Live-Sketch, der den Premierminister verspottete, erneut postete und ihn Berichten zufolge bei einem privaten Osteressen im Weißen Haus imitierte.
Außenminister Marco Rubio legte nach und bezeichnete die breitere Reaktion der Verbündeten als 'sehr enttäuschend'. Man kann mit Fug und Recht sagen, dass die transatlantische Beziehung schon wärmere Tage gesehen hat.
Was passiert als Nächstes?
Stand heute, 6. April 2026, hat Teheran Trumps Waffenstillstandsfrist bezüglich der Straße von Hormus abgelehnt, was bedeutet, dass die wirtschaftlichen und militärischen Risiken weiter steigen. Starmers 35-Nationen-Gipfel stellt einen echten Versuch dar, einen diplomatischen Weg zu finden, der nicht vorsieht, dass Washington die Entscheidungen trifft.
Ob dieser Ansatz dem Druck eines eskalierenden Konflikts und eines US-Präsidenten standhält, der die Vorsicht der Verbündeten als persönlichen Verrat zu betrachten scheint, bleibt die Millionen-Dollar-Frage. Vorerst nimmt Großbritannien eine unbequeme Mittelposition ein: zu involviert, um Neutralität zu beanspruchen, zu vorsichtig, um es als Beteiligung zu bezeichnen.
Es ist, auf die britischste Art und Weise, ein Kompromiss, der absolut niemanden zufriedenstellt.
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