Macht die Geldbörse bereit: Warum euer Easyjet-Schnäppchen bald der Vergangenheit angehört
Kerosinpreise haben sich verdoppelt und IATA-Chef Willie Walsh warnt: Höhere Flugpreise in Europa sind unvermeidlich. Was Reisende diesen Sommer wissen müssen.
Wer ohnehin schon ein mulmiges Gefühl beim Sommerurlaubs-Budget hat, sollte jetzt vielleicht wegschauen. Willie Walsh, Chef des Internationalen Luftfahrtverbands (IATA), ist überzeugt: Höhere Flugpreise in Europa sind nicht nur wahrscheinlich, sondern schlicht und ergreifend unvermeidlich. Und da der Mann seit Jahrzehnten die Zahlen der Luftfahrtbranche kennt, lohnt es sich, ihm zuzuhören.
Kurz zusammengefasst
Seit dem Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran sind die Ölpreise in die Höhe geschossen, und der Kerosinpreis zog munter mit. Walshs Urteil ist unmissverständlich: Wenn der Treibstoff, der Flugzeuge antreibt, sich im Preis etwa verdoppelt, muss irgendwer dafür bezahlen. Überraschung: Das seid ihr, die Passagiere, die um 4 Uhr morgens in Stansted nach ihrer Bordkarte kramen.
Warum Kerosin plötzlich das Thema ist
Kerosin macht laut IATA rund 30 % der Betriebskosten einer Airline aus. Das ist kein Pappenstiel, den man mit ein paar zusätzlichen Pringles-Verkäufen auf 10.000 Metern Höhe ausgleichen kann. Die Preise haben sich bis zum 1. Mai 2026 auf rund 187 Dollar pro Barrel etwa verdoppelt, und Europa ist besonders exponiert, weil es rund 75 % seines Kerosins aus der Nahost-Region importiert.
Erschwerend kommt hinzu, dass rund 20 % des weltweiten Ölhandels durch die Strasse von Hormus fliessen. Da die Strasse durch den anhaltenden Iran-Konflikt gestört ist, hat sich die Lieferkette von verlässlich zu nervös gewandelt. Walsh deutete an, der Engpass könnte bis 2027 anhalten, da Raffinerieeschäden am Golf bedeuten, dass selbst eine Wiedereröffnung der Strasse den Normalbetrieb nicht auf einen Schlag wiederherstellen würde.
Die unangenehme Wahrheit für Sommerurlauber
Hier wird es für alle, die im August auf einem Liegestuhl in der Sonne relaxen wollen, unangenehm. Walsh hat darauf hingewiesen, dass Flüge und Kerosinbedarf im Juli und August typischerweise rund 25 % höher sind als im März. Übersetzt bedeutet das: Die Hochsaison ist genau der Moment, in dem das System am stärksten belastet ist und in dem Airlines am wenigsten Spielraum haben, steigende Kosten aus reiner Kulanz zu schlucken.
Die britische Regierung hat zwar darauf hingewiesen, dass Airlines derzeit keinen Kerosинmangel verzeichnen. Zwischen dem 3. Mai und dem 14. Juni 2026 wurden rund 1.200 UK-Abflüge gestrichen, was dramatisch klingt, bis man hört, dass das weniger als 1 % der geplanten Flüge entspricht. Die Flugzeuge heben also noch ab. Sie werden nur teurer, wenn man darin sitzt.
Warten mal, werden manche Tickets nicht gerade günstiger?
Gute Beobachtung. Ausgerechnet einige Kurzstrecken-Tickets in Europa sind zuletzt etwas günstiger geworden, weil die Nachfrage schwächelt. Reisende sind verunsichert, Urlaube werden verschoben, und einige Airlines haben die Preise gesenkt, um leere Sitze zu vermeiden. Ryanair, easyJet, British Airways und Lufthansa jonglieren alle mit Streichungen und Preisanpassungen.
Lufthansa ging noch weiter und strich bis Oktober 20.000 Kurzstreckenflüge, unter anderem wegen der Treibstoffkosten. Also: Auch wenn der Preis auf dem Bildschirm heute verlockend aussieht, zeigen die wirtschaftlichen Grundlagen klar nach oben. Man kann es als kurzen Ausverkauf vor der eigentlichen Rechnung betrachten.
Langstrecke spürt es bereits
Wer weiter weg reisen möchte, sieht die Zahlen noch düsterer. Langstreckenpreise sind bereits spürbar gestiegen, weil längere Flüge atemberaubende Mengen Kerosin verbrauchen und weniger Puffer bleibt, um die Kosten aufzufangen. Der verlockende 12-Stunden-Flug nach Bangkok oder Kapstadt wird so schnell nicht günstiger.
Was die Offiziellen sagen
EU-Energiekommissar Dan Jorgensen hat versucht, die Stimmung zu beruhigen, und erklärt, er rechne kurzfristig nicht mit ernsthaften Engpässen, könne längerfristige Probleme aber nicht ausschliessen. Die Europäische Kommission brachte ausserdem die Idee ins Spiel, dass US-amerikanisches Kerosin bei sorgfältigem Management von europäischen Airlines genutzt werden könnte, was dem regulatorischen Öffnen des Vorratsschranks gleichkommt.
Tui-Chef Sebastien Ebel zeigte sich ebenfalls beruhigend und sagte, er rechne in den kommenden Monaten nicht mit Engpässen. Das ist erfreulich, wobei Tui gleichzeitig darauf hinwies, dass die Sommerbuchungen um 10 % zurückgegangen seien, also ist die allgemeine Stimmung alles andere als ausgelassen.
Die IEA soll gewarnt haben, dass Europa zeitweise nur noch etwa sechs Wochen Kerosinreserven hatte. Das ist die Art von Zahl, die einen dazu bringt, lieber mit dem Auto in den Süden Frankreichs zu fahren.
Was bedeutet das also für euren Urlaub?
Hier die klare Einschätzung ohne Umschweife. Wer diesen Sommer innerhalb Europas fliegt, kann kurzfristig noch ein günstiges Angebot ergattern, weil die Nachfrage schwach ist. Aber man sollte nicht davon ausgehen, dass diese Schnäppchenpreise lange halten. Sobald die Flugzeuge sich wieder richtig füllen, werden Airlines die Treibstoffkosten zügig weitergeben.
Wer einen Langstreckenflug ins Auge fasst, sollte sich wappnen. Diese Preise haben sich bereits bewegt und werden so bald kaum wieder auf das Niveau von 2025 sinken.
Ein paar vernünftige Tipps
- Lieber früher buchen als später, besonders für Reisen in der Hauptsaison, wenn die Daten nicht flexibel sind.
- Flexibel bleiben wenn möglich. Reisen in der Nebensaison Ende September oder Anfang Oktober könnten den schlimmsten Preiserhöhungen entgehen.
- Airlines richtig vergleichen. Manche schlucken mehr Kosten als andere, und die Spanne zwischen günstigstem und teuerstem Anbieter kann verblüffend gross sein.
- Auf Streichungen achten. Da Lufthansa Routen kürzt und andere folgen, könnte der Lieblingsflug still und leise aus dem Flugplan verschwinden.
- Züge in Betracht ziehen. Für Europareisen ist die Bahn zunehmend wettbewerbsfähig, besonders wenn Airlines Treibstoffzuschläge aufschlagen.
Das grosse Bild
Das ist nicht nur eine Urlaubsunannehmlichkeit. Die Luftfahrt war einer der verlässlichsten Motoren des europäischen Tourismus, Geschäftsreiseverkehrs und Frachtverkehrs. Sollten die Treibstoffkosten bis 2027 hoch bleiben, wie Walsh andeutet, sind Welleneffekte auf alles zu erwarten, von Pauschalreiseveranstaltern bis hin zu Nacht-Kurierdiensten.
Es ist auch eine Erinnerung daran, dass Energiesicherheit und Luftverkehr eng miteinander verknüpft sind. Ein Konflikt tausende von Kilometern entfernt kann direkt als Preiserhöhungs-E-Mail des Lieblingsbudgetfliegers im Posteingang landen.
Das Fazit
Walsh ist nicht jemand, der grundlos Alarm schlägt, und die Zahlen geben ihm Recht. Höhere Preise kommen, und die einzige wirkliche Frage ist, wie lange sie bleiben. Wer die Sommerpläne noch in der Schwebe hat, Wortspiel durchaus beabsichtigt, sollte früh buchen, Preisalarme einrichten und nicht davon ausgehen, dass die heutigen Schnäppchen nächsten Monat noch verfügbar sind.
Fliegen wird nicht von heute auf morgen wieder zum Luxus, aber die Ära der Billigpreise bekommt gerade einen deutlichen Dämpfer. Am besten Snacks einpacken. Die Ersparnisse werden gebraucht.
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