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Air Force One trifft Davos: Trumps Milliardärs-Roadshow landet in Peking

Trump landet mit 16 Top-CEOs in Peking, darunter Musk, Cook, Fink und Huang. Was hinter der Agenda des Staatsbesuchs wirklich steckt und warum China dabei keine Wahl hat.

Air Force One trifft Davos: Trumps Milliardärs-Roadshow landet in Peking

Wer einen Blick in den teuersten Gruppen-Chat der Welt werfen wollte, wäre diese Woche gut beraten gewesen, sich heimlich an Bord der Air Force One zu schmuggeln. Präsident Trump landete am 13. Mai 2026 in Peking mit einer Delegation, die weniger nach diplomatischer Mission klingt und mehr nach einer Forbes-Reichenliste auf Klassenfahrt.

Die Gästeliste liest sich wie ein Bond-Schurken-Treffen

Rund 16 Vorstandsvorsitzende begleiteten Trump auf dem dreitägigen Staatsbesuch (13. bis 15. Mai) und bringen zusammen ein Nettovermögen von rund 870 Milliarden Dollar auf die Waage. Rechnet man Nvidias Jensen Huang hinzu, übersteigt diese Zahl die 1,06 Billionen Dollar. Zum Vergleich: Das ist mehr als das BIP der meisten Länder, die man ohne Google nennen kann.

Elon Musk ist mit von der Partie, was die Augenbrauen hochzieht. Nach seinem sehr öffentlichen Zerwürfnis mit Trump nach seinem Abgang aus der Regierung scheinen die beiden sich versöhnt und Nachbarsitze gebucht zu haben. Der Artikel zitiert eine von Forbes gemeldete Bewertung von Musk mit rund 819 Milliarden Dollar, obwohl diese Zahl am schwindelerregenden Ende der Schätzungen liegt und hier nicht unabhängig überprüft wurde.

Apples Tim Cook steht ebenfalls auf der Passagierliste, kurz nachdem er angekündigt hat, am 1. September 2026 als CEO zurückzutreten, wobei Hardware-Chef John Ternus das Ruder übernehmen wird. Trump bezeichnete ihn auf Truth Social in gewohnter Manier als "Tim Apple". Manche Dinge ändern sich glücklicherweise nie. Cooks persönliches Nettovermögen liegt bei rund 2,9 Milliarden Dollar, was ihn zum vergleichsweise bescheidenen Außenseiter in dieser besonderen Kabine macht.

BlackRocks Larry Fink komplettiert das Spitzentrio, unterstützt von einer Besetzung aus Tech, Finanzen und Industrie. Und dann ist da noch Jensen Huang, der Nvidia-Chef, der laut Berichten zunächst nicht auf der ursprünglichen Liste stand, bevor Trump ihn persönlich anrief und hinzufügte. Eine Last-Minute-Einladung im Wert von rund 190,6 Milliarden Dollar. Nicht schlecht für einen spontanen Plus-Eins.

Warum ein Flugzeug voller CEOs?

Das ist kein Sentiment. Das ist Strategie. Analysten haben darauf hingewiesen, dass die mitreisenden Manager ausgewählt wurden, weil sie, in der treffenden Formulierung, die gerade kursiert, "konkrete Anliegen" an Peking haben. Regulatorische Genehmigungen. Marktzugang. Exportlizenzen. Die Art von nüchterner bürokratischer Infrastruktur, die darüber entscheidet, ob die Aktionäre weiter grinsen dürfen.

Das macht die Reise ebenso sehr zu einer kommerziellen Mission wie zu einer diplomatischen. Trump postete auf Truth Social, dass er Präsident Xi Jinping bitten will, China zu "öffnen", was wie eine einfache Forderung klingt, bis man sich daran erinnert, dass sie seit zwei Jahrzehnten das ungelöste Anliegen jeder US-Regierung ist.

Was wirklich auf der Agenda steht

Offiziell sind die Gespräche weitreichend. Inoffiziell sind sie gewaltig. Die veröffentlichte Agenda umfasst:

  • Handel und Zölle
  • Künstliche Intelligenz und deren Regulierung
  • Kontrollen für Seltene Erden und Chip-Exporte
  • Taiwan
  • Die Nachwirkungen des US-israelischen Krieges gegen den Iran

Der Iran-Konflikt ist übrigens der Grund, warum das gesamte Spektakel vom ursprünglichen Termin im März 2026 verschoben wurde. Es gibt auch Gerüchte über eine mögliche Ankündigung chinesischer Sojabohnen-Käufe, was dem geopolitischen Äquivalent eines Friedensangebots in einem Sack entspricht.

Die Musk-Trump-Versöhnungstour

Bleiben wir einen Moment bei Musk, denn er ist das faszinierendste Gesicht im Raum. Seine Beziehung zu Trump zerbrach öffentlich, als er die Regierung verließ, und beide Männer feuerten Breitseiten auf ihren jeweiligen Social-Media-Plattformen ab. Die Tatsache, dass er jetzt an Bord der Air Force One ist und dieselbe recycelte Luft wie der Präsident atmet, deutet entweder auf eine echte Annäherung hin oder auf einen beeindruckend verlockenden kommerziellen Anreiz. Möglicherweise beides.

Für Musk ist China nicht verhandelbar. Teslas Shanghaierer Gigafactory gehört zu seinen produktivsten Werken, und die langfristige Wachstumsgeschichte des Unternehmens hängt stark von der anhaltenden chinesischen Verbrauchernachfrage ab. Was auch immer die persönliche Rechnung ergibt, die geschäftliche Rechnung war immer die entscheidende.

Tim Cooks letzter großer diplomatischer Auftritt

Für Cook hat diese Reise den Charakter einer Abschiedstour. Mit seinem festgesetzten Abgangsdatum am 1. September ist dies voraussichtlich sein letztes großes Engagement auf Staatsebene als Apples CEO. Apples Beziehung zu China ist bekanntermaßen komplex. Die meisten iPhones werden dort noch immer montiert, und Peking hat genügend Hebel, wenn es sich jemals entschließt, Druck auszuüben.

Cooks ruhiger, auf Konsens ausgerichteter Stil hat Apple jahrelang auf bemerkenswert stabilem Kurs mit den chinesischen Behörden gehalten. Ob John Ternus, der von Haus aus Ingenieur ist, diesen heiklen Balanceakt replizieren kann, ist eine der interessanteren Fragen, die über Apples naher Zukunft schweben.

Der erste Staatsbesuch seit 2017

Dies ist Berichten zufolge Trumps erster Staatsbesuch in China seit 2017, was sich gleichzeitig wie eine Ewigkeit und wie letzten Dienstag anfühlt, je nachdem, wie die Nachrichten einen zuletzt behandelt haben. Der geopolitische Hintergrund hat sich seitdem dramatisch verändert: KI steht nun im Mittelpunkt des US-chinesischen Wettbewerbs, und Chip-Exportkontrollen bilden eine harte Mauer zwischen den beiden Volkswirtschaften.

Die Mitnahme eines Milliardärs-Gefolges signalisiert etwas Bestimmtes: Washington möchte, dass Peking die kommerzielle Schlagkraft sieht, mit der verhandelt wird. Ob Xi das als Schmeichelei oder als Machtdemonstration liest, hängt weitgehend davon ab, in welche Richtung der Wind diese Woche in Zhongnanhai weht.

Das Urteil aus 9.000 Metern Höhe

Für britische Leser, die aus höflicher Distanz zuschauen, ist das gesamte Spektakel eine nützliche Erinnerung daran, dass moderne Diplomatie zunehmend eine Unternehmens-Roadshow mit Präsidentensiegel ist. Die Anwesenheit von Musk, Cook, Fink und Huang ist nicht zeremoniell. Sie sind dort, weil sie Dinge von China brauchen, und China braucht Dinge von ihnen. Trump ist gleichzeitig der Vermittler, der Hauptact und der Joker.

Wird es zu einem Durchbruch kommen? Die Geschichte legt nahe, dass es wahrscheinlich nicht in einem klaren, schlagzeilen-tauglichen Sinne sein wird. Aber wird es Ankündigungen, Fototermine und ein paar still übergebene kommerzielle Erfolge geben? Mit ziemlicher Sicherheit. Das ist es, was im Jahr 2026 als erfolgreicher Gipfel gilt.

Behalten Sie die Sojabohnen im Auge. Wenn sie in einem Kommuniqué auftauchen, wissen Sie, dass jemand bekommen hat, was er wollte.

Den Originalartikel lesen Sie bei der Quelle.

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Geschrieben von

Daniel Benson

Writer, editor, and the entire staff of SignalDaily. Spent years in tech before deciding the news needed fewer press releases and more straight talk. Covers AI, technology, sport and world events — always with context, sometimes with sarcasm. No ads, no paywalls, no patience for clickbait. Based in the UK.